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12. Dezember 2017 | 01:47 Uhr

Heiratsschwindler muss hinter Gitter

vom

svz.de von
erstellt am 12.Aug.2010 | 06:27 Uhr

Rostock | Er lernte Rita R. im Internet kennen und gaukelte ihr die große Liebe vor. Am Ende kam für die die Rostockerin die dicke Rechnung: Um insgesamt 2700 Euro hatte Heiratsschwindler Kai Peter M. sie im Laufe von Monaten geprellt - mit jeweils kleinen Beträgen und mit jeweils dreisten Lügen.

Das Amtsgericht Rostock verurteilte den 40-Jährigen gestern wegen gewerbsmäßigen Betruges zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten ohne Bewährung. "Es handelt sich um einen so genannten Heiratsschwindel", sagte der Vorsitzende Richter. Kai Peter M. ist einschlägig vorbestraft, unter anderem wegen Urkundenfälschung, Betrug und Diebstahl.

Kai Peter M. und Rita R. lernten sich 2009 kennen. Schon nach kurzer Zeit entwickelte sich eine intime Beziehung. Aber Kai Peter M. hatte anderes im Sinn. Im September bat er sie das erste Mal um Geld: 65 Euro für eine Arztrechnung sollten es sein. 14 Tage später benötigte er 600 Euro für den Kauf eines Laptops. Als Erklärung gab er einen neuen Job als Programmierer an, bei dem er von zu Hause aus Programme entwickeln müsse. Renate R. gab ihm das Geld ohne zu zögern. Im Oktober bat er erneut um Hilfe, weil er Gefahr laufe, aus der Wohnung gesetzt zu werden. Kai Peter M. tischte seiner Geliebten eine weitere Lügengeschichte auf: Seine Ex-Freundin habe ihn ausgenommen, weshalb er jetzt mittellos dastehe. Er könne das Geld aber bald zurückzahlen. Wegen eines Wasserrohrbruchs in seiner Wohnung erwarte er 8000 Euro von der Versicherung. Renate R. gab ihm 380 Euro. Im November 2010 brauchte er wieder Geld. Diesmal war es eine Steuerschuld, die ihn in Bedrängnis gebracht habe. Die Verliebte übergab ihm wieder 350 Euro.

Kai Peter M. legte vor Gericht ein wortreiches Geständnis ab. Er wollte eine längere Partnerschaft aufbauen. Das Geld habe er zum Leben gebraucht. Er sei von einer schweren Krankheit heimgesucht worden, so dass er keine Chance auf einen Job gehabt habe.

In der Beweisführung stellte sich heraus, dass der Angeklagte weder eine Versicherungsprämie von 8000 Euro zu erwarten hatte, da es gar keinen Wasserrohrbruch in seiner Wohnung gab. Auch war ihm die Wohnung nicht gekündigt worden. "Ich habe sie angelogen", sagte der Angeklagte zu guter Letzt. Auch, dass er ein festes Arbeitsverhältnis als Programmierer habe, sei eine Lüge. Er habe 16 weitere Gläubiger. Nicht alle seien Frauen. Versandhäuser seien auch darunter.

Kai Peter M. ist Vater von drei Kindern, für die er schon seit Jahren keinen Unterhalt bezahlt. Ein Aussetzen der Strafe zur Bewährung wies das Gericht zurück, weil keine positive Sozialprognose in Sicht sei. Die Staatsanwaltschaft hatte 18 Monate Haft gefordert. Die Verteidigung bat um Mitgefühl für einen Gestrauchelten. "Er lügt wie gedruckt", sagte die geprellte Ex-Gebliebte Rita R. nach der Verhandlung.

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