Schwerin : Hausboot sucht Parkplatz

Streitobjekt: Das Hausboot, das derzeit am Ostufer des Heidensees angelegt hat, muss verschwinden. Das hat die Stadt angeordnet. Foto: Reinhard Klawitter
Streitobjekt: Das Hausboot, das derzeit am Ostufer des Heidensees angelegt hat, muss verschwinden. Das hat die Stadt angeordnet. Foto: Reinhard Klawitter

Die Besitzerin eines Hausbootes hat im Frühjahr 2011 zum ersten Mal am Westufer des Schweriner Sees festgemacht. Den dortigen Anwohnern ist das schwimmende Urlaubsparadies ein Dorn im Auge.

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04. Mai 2013, 12:02 Uhr

Wassertourismus ist aus Sicht der Stadtpolitik ein wichtiges Entwicklungsfeld. "Buchen sie ein Hausboot auf dem Schweriner See", wirbt die Stadtmarketing-Gesellschaft seit Neuestem. Drei bis sieben Übernachtungen auf dem Hausboot inklusive Stadtrundfahrt mit dem Doppeldecker-Bus, Eintritt ins Schloss, Abendessen und Reiseführer beinhaltet das Paket, das die Schwerin-Werber für Touristen geschnürt haben. Doch was auf anderen Gewässern längst Alltag ist, sorgt in Schwerin immer wieder für Ärger - bis hin zu Verfahren vor Gericht.

Der konkrete Streit betrifft ein Hausboot auf dem Heidensee. Die Besitzerin hat im Frühjahr 2011 zum ersten Mal am Westufer festgemacht - unterhalb der Wohnanlage Käthe-Kollwitz-Straße 11-17. Und den dortigen Anwohnern ist das schwimmende Urlaubsparadies ein Dorn im Auge. "Auf unsere Beschwerden vom 26. April und 7. Juli 2011 reagierte die Stadt ein Jahr lang nicht", beklagt Hartmuth Lorenz, der in der Kollwitzstraße wohnt. Das Hausboot habe keinen separaten Wasser-, Abwasser- oder Stromanschluss, der Heidensee würde so unkontrolliert zugebaut und Uferzonen zerstört, lauten die Argumente. Und da ein Hausboot an einem Steg nach deutschem Gesetz einer Baugenehmigung bedarf, sind die Anwohner auch im Recht. "Am 25. Mai 2012 erfolgte dann eine Anzeige an Bauamtsleiter Dr. Reinkober, weil die Hausbootbesitzerin in der Brutzeit Pfähle rammen ließ, eine kommerzielle Nutzung begann, die Gäste nackt vor unseren Augen ausführliche Waschungen mit Haarshampoo vornahmen, Parkflächen blockierten…", berichtet Lorenz. Da sie keine aus ihrer Sicht befriedigende Antwort von der Stadt erhielten, richteten die Anwohner eine Petition an den Landtag. "In den Stellungnahmen der Ministerien Bau und Umwelt vom August 2012 stand, dass der Sachverhalt geprüft wurde. Die Duldungspraxis der Stadtverwaltung wurde als rechtswidrig bezeichnet", so Lorenz. "Daraufhin mussten die Stadtverwaltung und die Oberbürgermeisterin die Auffassung ändern und der Hausbootbesitzerin eine Kündigung mit Zwangsgeldandrohung aussprechen." Das Boot verschwand und die Hausbootbesitzerin zog wegen der Kündigung vor Gericht.

Vor wenigen Wochen wiederholte sich das Spiel: Das Hausboot kehrte nach der Winterpause zurück ans Heidensee-Westufer. Nach Drängen der Anwohner und einem Vor-Ort-Termin hat die Oberbürgermeisterin erneut ein 1000-Euro-Zwangsgeld angedroht, sollte das Hausboot nicht binnen zwei Wochen verschwinden. Unmittelbar danach legte das Hausboot ab und machte an der gegenüberliegenden Ostseite des Heidensees fest. Da sie dort an einem Steg eines privaten Gartens festmachte, der bei mehrfachen Versuchen unserer Redaktion stets verschlossen war, konnten wir die Hausbootbesitzerin nicht zu einer Stellungnahme befragen.

"Das Ergebnis ist schlimm für den Wassertourismus in Schwerin", gibt Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow unumwunden auf SVZ-Anfrage zu. "Aber ich musste handeln." Einerseits sei die fehlende Baugenehmigung unstrittig. Andererseits hätte das Hausboot tatsächlich ein Biotop beeinflusst, erklärt die Verwaltungschefin. Für die Hausbootbesitzerin ist allerdings auch der Halt am Ostufer des Heidensees nur eine Übergangslösung. Auch dort wäre ein Bauantrag notwendig.

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