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Alte Artilleriekasernen auf dem Ostorfer Berg wurden saniert : Haus für Bücher statt für Soldaten

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In den 90er Jahren wurden die Backsteingebäude in der Stellingstraße saniert und zur Landesbibliothek beziehungsweise zum Finanzamt umgebaut. Im Sommer wird das alte Offizierskasino restauriert.

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erstellt am 17.Jun.2013 | 10:32 Uhr

Die historischen Artilleriekasenen auf dem Ostorfer Berg sind beispielgebend für Konversion: Nach mehr als 100-jähriger militärischer Nutzung wurden die markanten Backsteingebäude in der Stellingstraße in den 90er-Jahren komplett saniert und zur Landesbibliothek beziehungsweise zum Finanzamt umgebaut. Wenn im Sommer auch noch das zum Komplex gehörende alte Offizierskasino restauriert wird - es soll der Firmensitz der Unternehmensgruppe Hydraulik Nord werden - wäre der Artillerieberg eine Filetstück für die Unesco-Bewerbung "Residenzensem ble Schwerin - Kulturlandschaft des romantischen Historismus".

Die repräsentativen Bauten auf dem Ostorfer Berg haben eine lange militärische Tradition. Sie beherbergten zunächst zwei Bataillone der Mecklenburg-Schweriner Artillerie, dann Teile der Reichswehr und der Wehrmacht und schließlich der Roten und der Sowjetarmee. Nach deren Abzug aus Schwerin 1992 wurden die Gebäude schrittweise saniert und umgebaut.

Die Alte Artilleriekaserne, die jetzt das Finanzamt beherbergt, wurde 1856 bis 61 nach Plänen von Ludwig Wachen husen gebaut. Die Unruhen der frühbürgerlichen Revolution von 1848/49 noch im Bewusstsein, war der Platz so gewählt, dass die Zugänge zum Schloss mit direktem Artilleriefeuer gesichert werden konnten. Auf Befehl des preußischen Kriegsministeriums sollte Ende des 19. Jahrhunderts das Mecklenburger-Artillerie-Kontingent aufgestockt werden. Dafür wurde 1899 die Neue Artilleriekaserne gebaut, die jetzt die Landesbibliothek beherbergt. Zwischen beiden Militärbauten leisteten sich die Offiziere des Regiments in exklusiver Lage mit Schlossblick direkt oberhalb des Kreuzkanals ihr Casino. Es wurde am 3. April 1900 eingeweiht und bei der Dresdner Architekturausstellung im selben Jahr prämiert.

Mit dem Auszug der Sowjetarmee aus Schwerin 1992 endete die militärische Nutzung des Artillerieberges. Als erstes wurde die Alte Artilleriekaserne saniert, die einst mehr als 300 Soldaten beherbergte. Pläne für den Einzug des Archäologischen Landesmuseums zerschlugen sich, stattdessen wurde die Kaserne zum Finanzamt umgebaut, die Remise nach einer bemerkenswerten Archäologieausstellung zum Depot.

Es folgte die Sanierung der Neuen Artilleriekaserne. Sie erhielt einen modernen Anbau und wurde zum neuen Sitz der Landesbibliothek umgebaut. 2004 zog die früher am Dom befindliche Einrichtung in ihre neuen Räume ein. Das federführende Architekturbüro Rimpel Architekten Schwerin wurde für den gelungenen Umbau bei der Landesbaupreis-Vergabe 2012 mit einer Anerkennung geehrt.

Sorgenkinde des Komplexes war lange Zeit das alte Offiziers-Casino, das nach der Wende in Privatbesitz gegangen war und zunehmend verfiel. Im vergangenen Jahr wurde das denkmalgeschützte Gebäude von der Unternehmensgruppe Hydraulik Nord gekauft, die ihren Firmensitz nach Schwerin verlagern will. In einem ersten Schritt wurde die Bausubstanz gesichert und Ende 2012 nach intensiver Abstimmung mit der Denkmalpflege der Bauantrag für den Umbau gestellt. "Die Landeshauptstadt hat den Bauantrag bewilligt", sagt Amtsleiter Dr. Günter Reinkober. "Es sind nur noch einige Feinabsprachen nötig." Der Investor will im Sommer mit der Sanierung des alten Gebäudes und der Errichtung eines zurückgesetzten Anbaus beginnen.

"Die Erhaltung, Sanierung und neue Nutzung der historischen Gebäude auf dem Ostorfer Berg ist beispielhaft gelungen", fasst Michael Bleyder vom Betrieb für Bau und Liegenschaften des Landes zusammen. Der Neubau des Depot-Gebäudes am südlichen Hang des Berges für Museum, Bibliothek und Archiv, der sich derzeit in der Entwurfsplanung befinde, würde den Komplex als geschlossenes Ensemble abrunden.

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