Hat Feuerwehr geschlampt?

Bedrohlich: So erlebten Anwohner den Brand.
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Bedrohlich: So erlebten Anwohner den Brand.

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13. April 2010, 08:14 Uhr

Schwerin | Hat die Schweriner Berufsfeuerwehr leichtfertig die Sicherheit von Bürgern aufs Spiel gesetzt? Schwere Vorwürfe erheben Anwohner aus der Mühlenstraße: Die städtischen Brandschützer sollen nach einem Dachstuhlbrand am Mittwoch (wir berichteten) auf eine längere Bewachung des Hauses verzichtet haben. "Nur durch Zufall habe ich am Donnerstag gegen 5 Uhr entdeckt, dass sich die Flammen erneut entfacht hatten", sagt Dieter Hartung, der im benachbarten Haus wohnt. Grob fahrlässig habe die Feuerwehr gehandelt. "Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, hätte ich den Brand nicht sofort gemeldet", so der Schelfstädter.

Pikant: Hatte die Polizei die Medien über den ersten Brandausbruch, als dessen Ursache vorangegangene Instandsetzungsarbeiten im Dachstuhl vermutet werden, noch von sich aus informiert, gab es über den zweiten keine Meldung an die Öffentlichkeit. Dieter Hartung findet das fragwürdig: "Wollte man mögliche Fehler nicht einräumen? Oder sollte angesichts der fehlenden nächtlichen Brandwache eine erneute Diskussion über die Personalstärke der Feuerwehr vermieden werden?"

Stadt betont Pflichten der Hausbesitzer

Keinesfalls habe die Berufsfeuerwehr etwas vertuschen wollen, entgegnet Jürgen Rogmann, Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz und Rettungsdienst. Der Vorwurf der Fahrlässigkeit ziele ebenso ins Leere wie die Vermutung, die Personalsituation der Berufsfeuerwehr habe in dem Fall eine Rolle gespielt.

Vielmehr habe die Feuerwehr pflichtgemäß alles unternommen, was zur unmittelbaren Gefahrenabwehr notwendig gewesen sei, sagt Rogmann. "Wir haben den Brand am Mittwochmittag gelöscht, Strom, Wasser und Gas abgestellt und das Haus evakuiert, so dass es in der Nacht unbewohnt war." Bis 18 Uhr sei am Haus Brandwache gehalten und um 19.30 Uhr erneut geprüft worden, ob es noch irgendwo brenne. "Auch zu diesem Zeitpunkt war nichts mehr feststellbar, so dass es keinen Anlass gab, Einsatzkräfte dort zu binden", so Rogmann. Ohnehin gäbe es für die Dauer von Brandwachen keine Vorschriften. Fakt sei indes, dass Hausbesitzer ebenfalls für die Sicherheit ihrer Gebäude verantwortlich seien. Gegebenenfalls durch private Brandwachen. "Auch nach Feuern gilt: Eigentum verpflichtet", so Rogmann.

Was das Auflodern der Flammen Donnerstagfrüh angehe, könne so etwas vorkommen. "Manchmal findet man nicht alle Brandnester", so Rogmann. Zudem habe es sich um ein kleines Feuer gehandelt, von dem keine große Gefahr ausgegangen sei.

Anwohner Hartung lässt zumindest dieses Argument nicht gelten. "Dass das Feuer klein war, ist nur seiner frühen Entdeckung zu verdanken."

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