Hansa will keinen Dresscode für Problemfans

Der FC Hansa Rostock tut sich schwer, Fans mit Markenkleidung, die ein Bekenntnis zum Rechtsextremismus ausdrückt, aus der DKB-Arena zu verbannen. Der Verein verweist auf rechtliche und praktische Bedenken.

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19. Mai 2008, 07:36 Uhr

Rostock - „Wir haben im gesamten Verein und im Sicherheitsrat intensiv über das Thema gesprochen“, sagt Aufsichtsrat Dr. Wolfgang Müller. Das Ergebnis: Schon im Januar hat Hansa Rostock eine neue Stadionordnung erlassen, die sich deutlich von Rassismus und Extremismus distanziert. Typische Bekleidung, die die Haltung des Trägers, zum Beispiel durch themenbezogenen Schriftzeichen, Buchstaben oder Zahlenkombinationen verdeutlicht, erhalten Stadionverbot, heißt es in Paragraf vier. „Das gibt uns eine deutlich höhere Rechtssicherheit im Umgang mit bestimmten Fans“, wertet Hansa-Sprecher Axel Schulz.

Doch vor allem für die Rostocker SPD geht dieser Schritt nicht weit genug. Nach wie vor könnten Fans mit Markenkleidung von Thor Steinar, Landser, Masterrace, Ulitmate Thule und Consdaple, die eindeutig der rechten Szene zuzuordnen seien, ins Stadion kommen, kritisiert Jungsozialdemokratin Claudia Naujoks. Sie verweist vor allem auf Vereine wie Werder Bremen, Borussia Dortmund, Herta BSC Berlin, Carl Zeiss Jena oder St. Pauli, die ein entsprechendes Verbot in ihre Stadionordnungen eingearbeitet haben. Die Rostocker Bürgerschaft hatte bereits im Dezember Oberbürgermeister Roland Methling beauftragt, auch auf Hansa einzuwirken. Doch die Entscheidung liegt bei anderen Gremien.

125 gewaltbereite Hooligans
Der für Sicherheitsfragen verantwortliche Aufsichtsrat Wolfgang Müller verweist auf die juristischen und praktischen Hürden. „Dass wir rechtsradikale Tendenzen im Stadion nicht wollen, steht außer Frage, die Forderungen nach einer Kleiderordnung für Fans ist derzeit allerdings nicht umsetzbar.“ Dies scheitere schon an den Ordnern, die in dem geforderten Ausmaß nicht kontrollieren könnten. Der Verein schätzt die Szene der gewaltbereiten Fans auf 125 Mitglieder, die allerdings keiner politischen Richtung zuordenbar seien.

Fußball-Erstligist Werder Bremen kann die Bedenken von Hansa Rostock nicht teilen. Vor einem Jahr hatte der Verein, der offen Probleme mit Fans aus dem rechten Spektrum zugibt, das Tragen der Marke Thor Steinar im Weserstadion kategorisch untersagt. „Wir üben das Hausrecht aus und machen auch davon gebrauch“, schildert Sprecherin Marita Hanke. Die Zuschauer hätten das Verbot positiv aufgenommen, weil „Monate im Voraus die Fangruppen über diesen Schritt informiert wurden“.

In Rostock ist vorerst ein solcher Dresscode nicht geplant. Dafür wird über das Thema weiter intensiv geredet und beratschlagt. Am Wochenende findet in der DKB-Arena eine Fachtagung mit dem Titel „Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus im Fußball“ statt.


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