Handwerks-Oskar für Top-Azubis

Björn Pohl möchte Verfahrensmechaniker werden. Foto: Annett Habermann
Björn Pohl möchte Verfahrensmechaniker werden. Foto: Annett Habermann

Sie sind die Praktiker mit Köpfchen, die guten Typen, fachlich versiert, die Nachwuchsstars des Handwerks, die sich schon am Sonntag freuen, dass am Montag die Arbeit beginnt: Mecklenburg-Vorpommerns Handwerk sucht den Top-Azubi 2008. Eine, die das Zeug dazu hat, ist Susan Gühlstorf aus Demen, die Feinmechanikerin, die sich dem Titelkampf stellt.

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24. Juli 2008, 10:06 Uhr

Schwerin/Rostock - An den computergesteuerten Drehmaschinen, konventionellen Drehbänken oder Fräsanlagen im Handwerksbetrieb der Crivitzer Firma Bergmann macht ihr so schnell keiner mehr etwas vor: Akribisch positioniert Susan Gühlstorf den Stahlzylinder, bevor die junge Frau das Computerprogramm der mehrere zehntausend Euro teuren Hightech-Maschine startet und sich das Schneidwerkzeug in den Stahl frißt – ein Reduzierstück für eine Hydraulikanlage soll am Ende dabei herauskommen. „Eine abwechslungsreiche und praxisbezogene Ausbildung“, meint die 21-Jährige.

„Das macht Spaß.“
Susan Gühlstorf weiß was sie will: Vor einem Jahr hat sie die Ausbildung begonnen. Feinwerkmechanikerin möchte sie werden, neben den Abschluss als technischer Betriebswirt schaffen. Jetzt allerdings will sie Mecklenburg-Vorpommerns Top-Azubi 2008 werden. „Diplomingenieur möchte ich einmal sein“, sagte sie. Wie ihr Vater, der in ihr einst das Interesse für den Job geweckt hat. Die junge Frau ist dabei, sich in einer Männerdomäne durchzusetzen. Ölgeruch in der Werkstattluft, fettverschmierte Hände – für Susan Gühlstorf kein Problem. „Mich haben schon immer Jungssachen mehr interessiert“, meint die 21-Jährige.

Die Feinmechanikerin ist eine von den Auszubildenden, die mit Bestleistungen ihren Weg bahnen und sich um den Handwerks-Oscar 2008 bewerben. „Ich stehe zu meinem Job. Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit gehen kann“, meint Gühlstorf. Mit dem Wettbewerb, der gemeinsam mit unserer Zeitung, Antenne Mecklenburg-Vorpommern und anderen Partnern durchgeführt wird, geht das Handwerk auf Nachwuchssuche.

Angesichts sinkender Schülerzahlen wollen die Betriebe junge Leute für einen Job begeistern und zeigen, wie attraktiv das Handwerk ist. „Die Top-Azubis zeigen: Im Handwerk lernen coole und sympathische junge Leute, die mit Spaß, Ehrgeiz und großer Freude bei der Sache sind, die ihren Traumberuf gefunden haben, die sich in ihren Betrieben gut aufgehoben fühlen und die voller Selbstvertrauen in die Zukunft blicken“, erklärte Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin. „Nichts überzeugt besser als das gelungene Beispiel aus dem echten Leben und das nutzen wir für unsere Nachwuchsarbeit.“

Die Teilnehmer an dem zum zweiten Mal landesweit durchgeführten Wettbewerb können sich mit den alten Hasen im Handwerk längst messen. Die Bewerber würden zeigen, dass sie nicht nur fachlich fit sind, sondern über ein breites Allgemeinwissen verfügen und beste Voraussetzungen für die Lösung manch kniffliger Situation im Berufsalltag haben, fügte Claudia Alder, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern in Rostock hinzu. Die Teilnehmer demonstrierten, „dass der fachliche Nachwuchs im Handwerk ein Allrounder sein muss, vom Praktiker bis zur individuellen Kundenbetreuung.“

Für Susan Gühlstorf hat sich der Einstieg ins Handwerk längst gelohnt: Seit Jahren suche er geeignete Mitarbeiter, erzählt Firmenchef Frank Bergmann. Die Geschäfte laufen gut. Hydraulikteile für verschiedenste Partner würden in der Werkstatt gefertigt. Gerade hat Bergmann eine halbe Million Euro in eine neue Werkstatt und neue Maschinen gesteckt. Wenn das so weitergeht habe Susan Gühlstorf sehr gute Jobchancen, versichert er.

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