Haltestellen-Attrappe beruhigt Demenzkranke

Bewohnerin Ilse Klett besucht mit Schwester Carola die neue Haltestelle im Innenhof, die nur eine Attrappe ist. Foto: Maria Pistor
Bewohnerin Ilse Klett besucht mit Schwester Carola die neue Haltestelle im Innenhof, die nur eine Attrappe ist. Foto: Maria Pistor

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07. Mai 2008, 08:01 Uhr

Rostock - Die knapp 80 Bewohner der Stationen „Hansekogge“ und „Zum Lindenhof“ leben oft in ihrer eigenen Welt, die meisten von ihnen leiden an Demenz. „Was sie in dem einen Moment tun, haben viele im anderen vergessen“, erklärt Bettina Krüger, stellvertretende Pflegedienstleiterin. Gerade, wenn die Frauen und Männer neu ins Heim einziehen, sind sie oft sehr unruhig. Alles ist ungewohnt, die Umgebung, das Personal, die Mitbewohner. Viele haben das Gefühl, ihre Kinder versorgen oder ihre Männer bekochen zu müssen. „Gerade dann möchten viele gern mit dem Bus zu sich nach Hause fahren“, sagt Krüger.

„Inzwischen gibt es diese langersehnte Haltestelle in unserem Innenhof“, sagt Schwester Cornelia. Die Busstation wurde mit Spenden finanziert. Die Idee brachte Stationsschwester Annerose Köddermann von einer Tagung für Demenzkranke mit, bei denen das Kurzzeitgedächtnis oft komplett gelöscht ist, während alte Erinnerungen oft abrufbar sind.

„Anfangs könnten Angehörige vermuten, dass wir uns mit der Haltestelle, die ja keine ist, über die Patienten lustig machen wollen“, sagt Bettina Krüger. „Das wollen wir nicht. Wir nehmen ihre Situation sehr ernst.“

Auch mit dieser Phantom-Haltestelle, die das Bedürfnis nach dem Wegfahren stillt und mildert. Wenn die alten Damen und Herren dort im Wartehäuschen sitzen, kommen sie oft miteinander ins Gespräch und haben oft schon vergessen, warum sie zur Haltestelle gekommen sind. Nach einiger Zeit werden sie von den Schwestern oder Pflegern abgeholt. Und dass nie ein Bus kommt, fällt den Senioren nicht weiter auf.

Und wenn sie sich wundern, sind sie mit der Erklärung zufrieden, dass er morgen wieder fährt. In der Arbeit mit Demenenzerkrankten hat sich viel geändert. „Wir lassen sie mehr in ihrer Welt leben, gehen auf ihre besondere Situation ein“, sagt Bettina Krüger. „Sagt jemand, dass er einen lila Himmel sieht, behaupte ich nicht, dass das nicht stimmt. Ich kann ja sagen, dass mir das noch nicht aufgefallen sei.“

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