Hagenower Grenadiere von Mazar-e Sharif nach Kunduz

Ursprünglich als „gepanzerte Einsatzreserve“ der Nordregion in Mazar-e Sharif geplant, verlegte man die Hagenower Panzergrenadiere Anfang Dezember nach Kunduz.

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04. März 2008, 06:19 Uhr

Kunduz - „Durch die häufigen Raketenangriffe fehlten hier Infanteriekräfte“, nennt Hauptfeldwebel W.* den Grund für die Verlegung, „aber als sich die Lage nicht grundlegend verbesserte, erhielten wir hier Aufträge, die den Zug Tag und Nacht beschäftigen.“
Um zwei Hauptaufträge kümmern sich die Hagenower:
Nahbereichsschutz und Flughafensicherung. Die Soldaten sichern die Einfahrt zum Flughafengelände, mehrere sind im Flughafengebäude und zwei Transportpanzer „Fuchs“ überwachen aus überhöhten Stellungen die Landebahn und das Flughafengelände.

Und wo ist die Soldatin eingesetzt, die einzige Frau in Reihen des Grenadierbataillons 401? Stabsunteroffizier Bianca K.* leistet ihren Dienst als Fahrerin eines der beiden „Füchse“. Gefährliche Zwischenfälle gab es noch nicht, aber mehrmals in der Woche laufen Holz- und Schrottsammler auf das Flughafengelände und müssen dann kontrolliert und fortgeschickt werden.

In einer Art Rotationssystem werden die Mannschaften für Tag und Nacht gewechselt. Zum Nahbereichsschutz werden die Grenadiere meist nachts eingesetzt. Patrouillieren, Beobachtungspunkte besetzen, Personen überprüfen – das sind die Aufträge. Rund acht bis neun Stunden dauert ein Einsatz. Zusätzlich rückt der Zug bei Alarm aus.

Im „Lummerland“ ein wenig entspannen

Obwohl für Freiräume wenig Zeit ist, werden Laufstrecke und Fitnessraum eifrig genutzt. Außerdem können die Soldaten in die Betreuungseinrichtung, „Lummerland“ genannt, gehen. Dort haben sie die Möglichkeit, Dart zu spielen, zu Kickern und sich beim Billard zu messen. Alkohol ist dabei für W. und seine Soldaten kein Thema: „Wir sind ständig unterwegs, führen unsere Waffen immer mit uns und müssen zu jeder Zeit mit einem Alarm rechnen,“ sagt er bestimmt. Untergebracht ist der Zug in Zelten. Das war im Winter mit bis zu minus 20 Grad Celsius Nachttemperatur manchmal nicht so das Wahre, fielen doch die Warmlufterzeuger ab und zu aus.

Mitte März geht es nach Hause und in den Urlaub

Mitte März fliegen die „Hagenower“ bis auf eine Handvoll Soldaten nach Hause und die letzten folgen ihnen zehn Tage später nach der Übergabe an das Folgekontingent. Dann geht ein Großteil erst einmal zwei oder drei Wochen in den Urlaub, um sich anschließend bei einem Einsatznachbereitungsseminar in einer Tagungsstätte zu treffen.
Welche Wünsche der Zugführer noch hat? „Bisher ist mit Glück und Können alles gut abgelaufen und ich will meine Männer und Frau Stabsunteroffizier heil nach Hause bringen. Wir haben hier einen anstrengenden Dienst gehabt und hoffen, dass unser Einsatz für Afghanistan Früchte trägt.“
Und woran erinnern sich die Grenadiere ungern? „Die Straßen- und Wegeverhältnisse sind mit Löchern und Schlamm wirklich eine Herausforderung. Das Warten auf die Feldpost war schwierig, weil im Winter die Flieger wochenlang nicht landen konnten. Wir brauchen einfach diese Verbindung nach Hause.“ Deshalb waren die Kameraden auch so überrascht und dankbar über die Weihnachtspost mit Geschenken aus der Patengemeinde Boizenburg. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt dem Panzergrenadierzug aber nicht. Gegen Ende des Jahres beginnt die Einsatzvorbereitung und 2009 geht das Hagenower Panzergrenadierbataillion in das Kosovo.

* Namen von der Redaktion geändert.

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