Gerichtsurteil : Haftstrafe und Therapie für Kinderschänder

Der Verurteilte mit Verteidiger Gerald  Kölbl. dpa
Der Verurteilte mit Verteidiger Gerald Kölbl. dpa

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von vier Kindern über zwei Jahre hinweg hat das Landgericht Neubrandenburg gestern einen 30-Jährigen zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

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14. Dezember 2010, 07:28 Uhr

Neubrandenburg | Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern hat das Landgericht Neubrandenburg gestern einen 30-Jährigen zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Der Neubrandenburger hatte vor Gericht gestanden, vier Kinder über zwei Jahre hinweg in mehr als 20 Fällen missbraucht zu haben. "Er hat mit den 8- bis 13-Jährigen alles getan, was man sich vorstellen kann", sagte Richter Carl Christian Deutsch. Weil der Verurteilte wegen einer frühkindlichen Hirnschädigung nur vermindert schuldfähig sei, wies ihn das Gericht zur Therapie in eine psychiatrische Haftklinik ein. Dabei wird periodisch geprüft, inwieweit der Mann als geheilt gelten kann.

Die Vorfälle ereigneten sich zwischen Winter 2008 und Herbst 2009 in der Wohnung des Bruders des Verurteilten in einem Dorf bei Neubrandenburg und in einer Wohnung in der Stadt. Bei den Kindern handelte es sich laut Gericht um die Nichte des Verurteilten, zwei Neffen und einen weiteren Jungen. Zudem hatte der Neubrandenburger rund 680 Bild- und Videodateien mit Kinderpornografie auf einem Computer gesammelt, darunter auch Bilder der missbrauchten Kinder. Es handelt sich nach Angaben eines Gerichtssprechers um einen der schwersten Fälle von Kindesmissbrauch in den letzten Jahren in Mecklenburg-Vorpommern.

"Der Mann hat von Anfang gewusst, dass er etwas Verbotenes tut", sagte Deutsch. Besonders tragisch: Der Verurteilte habe sich nach seinem ersten Kindesmissbrauch an einen Arzt gewandt, der ihm helfen sollte. Dieser habe ihm aber nur empfohlen, "öfter mit der Freundin zu schlafen", kritisierte der Richter.

Der Verurteilte hatte sich immer angeboten, seinen Verwandten auf dem Dorf zu helfen. Ab und zu holte er deshalb auch Jungen und Mädchen in die Wohnung seiner Freundin, wo er sich im Schlafzimmer an ihnen verging. Die Sache flog erst Ende 2009 auf, als sich die betroffenen Kinder ihrer größeren Schwester offenbarten.

Der Verurteilte wollte sich auch am Dienstag nicht öffentlich zeigen. Das Gesicht unter einer schwarzen Kapuze verborgen, betrat der zuletzt arbeitslose Maurer den Gerichtssaal und ließ sich von Verteidiger Gerald Kölbl abschirmen. Auf Kölbls Veranlassung hin hatte der Mann ein umfassendes Geständnis abgelegt, was zumindest den Opfern eine Aussage vor Gericht ersparte. "Das haben wir ihm auch zugute gehalten", sagte Deutsch.

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