Hände weg vom Brötchen?

Brötchen, Wurst, Käse – in einigen Geschäften werden sie „frei Hand“ verkauft, in anderen Läden verwenden die Verkäuferinnen zum Anfassen der Ware Einweghandschuhe oder Folie. Was ist richtig?

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10. Oktober 2008, 05:59 Uhr

Prignitz - „Es gibt dazu keine konkret formulierte Festlegung. Das bleibt den Geschäften überlassen“, erfuhr der „Prignitzer“ auf Nachfrage von Roswitha Piesche, Lebensmittelchemikerin in der Lebensmittelüberwachung der Kreisverwaltung/ Sachbereich Veterinäraufsicht und Verbraucherschutz.
Je weniger Lebensmittel mit den Händen berührt würden, desto besser sei das natürlich – „die Hände immer wieder zwischendurch waschen“. Der Einsatz von Einweghandschuhen oder Folie könne auf ein gesundes Maß beschränkt werden, wie beim Verkauf empfindlicher und leichtverderblicher Waren, zum Beispiel Hackfleisch, meint die Lebensmittelchemikerin.

EU-Verordnungen allgemeiner

Das A und O seien natürlich Sauberkeit und Hygiene, darüber hätten Fleischer, Bäcker und alle anderen Lebensmittelbetriebe ihre Mitarbeiter laut Infektionsschutzgesetz ständig zu belehren, unterstrich Roswitha Piesche.

2004 lösten EU-Verordnungen Landes- bzw. Bundesregelungen ab, die teils sehr konkret formuliert waren, und gelten nun einheitlich für alle Mitgliedsstaaten. In der Anlage 2 „Allgemeine Hygienevorschriften für alle Lebensmittelunternehmen“ der Verordnung 852/2004 über die Lebensmittelhygiene heißt es lediglich: „Lebensmittel sind vor nachhaltiger Beeinflussung zu schützen“.
„Das bedeutet aber nicht, dass nun Lebensmittelbetriebe, ob Großhersteller oder Imbiss, die Sache laxer angehen können“, stellt Roswitha Piesche klar. Es beständen zwar jetzt nicht mehr so viele konkrete Vorschriften, „doch wird damit kein Schritt zurück getan.“ Vielmehr sei die Verantwortung der Unternehmen größer geworden, dafür zu sorgen, dass die allgemeiner formulierten Vorschriften eingehalten werden. Und das reiche von einer hygienisch nicht zu beanstandenden räumlichen Ausstattung bis hin zu angemessener und sauberer Kleidung des Personals. Bei verarbeitenden Betrieben, zum Beispiel in der Fleischindustrie, seien Haube und Mundschutz nach wie vor vorgeschrieben.

Kompliziert wurde die Ahndung von Verstößen, denn dazu enthält die EU-Regelung keine Strafbestimmungen. Das müssen die Mitgliedländer in extra-Verordnungen regeln.
„Auch für uns bringt die EU-Regelung eine größere Verantwortung in der Kontrolle“, erläutert Roswitha Piesche. Seit dem 1. Januar 2004 erstellen die Lebensmittelüberwachungen der Landkreise Risikoanalysen nach wissenschaftlichen Grundsätzen.

Kontrolle in 1800 Betrieben
Kontrolliert und bewertet werden in der Prignitz 1800 Lebensmittelbetriebe – vom Geflügel- oder Schweinemäster, Bäcker bis hin zu Drogerien und Apotheken, die Nahrungsergänzungsmittel verkaufen. Auch Pfannenwender oder Kochlöffel, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, gehören zum Untersuchungsspektrum. Ebenso Kosmetik, Bekleidung für jedermann, Schmuck oder Babyartikel. Kontrollen von Saunaaufgüssen ergaben zum Beispiel eine zu hohe Konzentration der Inhaltsstoffe. Die Proben, die nach einem festen Schlüssel gezogen werden, gehen an das Landeslabor zur Auswertung.

Ein weiterer Bereich der Kontrolltätigkeit ist die Handelsklasseüberwachung in 180 Betrieben des Einzelhandels der Prignitz. Genug zu tun also, für die vier Lebensmittelkontrolleure, Tierärztin und die Lebensmittelchemikerin. „Zu den Kontrollen kommen wir immer unangemeldet“, stellt Roswitha Piesche klar.

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