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Erste Altstoffannahmestelle wie in DDR-Zeiten in Parchim und Ludwigslust : "Habn se nicht noch Altpapier...?"

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„Ich konnte erst gar nicht glauben, dass es in Parchim wieder eine Altstoff-Annahmestelle wie früher gibt. Aber das ist doch eine tolle Sache. Ich komme wieder ", so Kunde Harald Stockhaus.

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erstellt am 18.Jan.2011 | 10:44 Uhr

Kaum ist Harald Stockhaus mit seinem kleinen Ziehwagen vorgefahren, greift Bernd Bicker zu und hilft beim Ausladen der sorgsam verschnürten Papier- und Bücherbündel. Rauf auf die Waage und schon bekommt der 49-Jährige von Peggy Bicker dafür den Lohn. "Vier Euro sind heute zusammengekommen", ruft sie dem Mann freundlich zu. "Bis zum nächsten Mal!". "Ich konnte erst gar nicht glauben, dass es in Parchim wieder eine Altstoff-Annahmestelle wie früher gibt. Aber das ist doch eine tolle Sache. Der Erlös ist zwar nicht hoch, aber zusätzliches Geld kann doch schließlich jeder gebrauchen", ist sich Harald Stockhaus sicher. Für ihn steht fest: "Ich komme wieder".
Erinnerungen an frühere Zeiten werden wach

Kaum hat sich Harald Stockhaus von den Bickers verabschiedet, rollt ein Pkw nach dem anderen an der Altstoffannahmestelle, die es seit kurzem auf dem Gelände des Sozialkaufhauses NoviLife in der Brunnenstraße (Rückseite der früheren Kaiser-Kaufhalle) vor. "So geht das seit unserer Eröffnung im Dezember. Nachdem wir bereits seit einem halben Jahr in Ludwigslust eine derartige Einrichtung betreiben, haben wir damit gerechnet, dass auch die Parchimer unsere Geschäftsidee annahmen", sagt Peggy Bicker. Die 41-Jährige, die in der DDR aufgewachsen ist, kann sich noch gut daran erinnern wie sie mit Schulkameraden losgezogen ist, um Altpapier, Flaschen und Schrott zu sammeln, der dann in einer der vielen Sero-Annahmestellen abgegeben wurde. "Viele unserer Kunden sprechen uns darauf an und können sich sogar noch an das legendäre Lied ,Habn se nicht noch Altpapier...? erinnern", erzählt Peggy Bicker. Ihr Ehemann Bernd, der aus den alten Bundesländern kommt, hat ähnliche Erfahrungen gemacht: "Der Lumpensammler, der regelmäßig ins Dorf kam, hat mit einer Glocke auf sich aufmerksam gemacht".

Inzwischen hat der nächste Kunde seinen Kofferraum geleert. "Die 4,28 Euro, die ich heute bekommen habe, werden für den nächsten Urlaub gespart. Oder wir gehen dafür mal schön essen", freut sich der 72-Jährige. "Ich komme inzwischen regelmäßig her. Hier werden die Altstoffe ordentlich erfasst und das dient ja auch der Umwelt", meint der Weststädter.

Mit Geschäftsidee aus Hartz IV verabschiedet

Peggy und Bernd Bicker sind zuversichtlich, dass die beiden Altstoffannahmestellen in Parchim und Ludwigslust den erhofften Umsatz bringen. "In diesem Monat haben wir uns bei der Arge abgemeldet. Endlich brauchen wir keine Unterstützung als Hartz IV-Empfänger mehr", sind beide, die außerdem noch einen online-Shop betreiben, stolz.

"Wenn wir das Geld zusammen haben, werden wir weiter investieren", sagt Bernd Bicker. Beide träumen von einer Presse, damit sie künftig auch Pappe annehmen und gleich vor Ort aufbereiten können. Später wollen sie von den Kunden auch Klarsichtfolie, die in Hülle und Fülle anfällt, annehmen. "Das würde den Ertrag deutlich steigern", meinen die Altstoffexperten.

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