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Festscheune in Schlatkow zum Verkauf : Gutsanlage droht die Zerstückelung

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Mit Engagement und finanziellen Einsatz haben in den letzten Jahren Einwohner des Dorfes Schmatzin das Ensemble zu neuem Leben erweckt. Doch nun droht der Gutsanlage die Zerschlagung.

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erstellt am 26.Jan.2011 | 12:06 Uhr

Der Ort atmet Geschichte. Fünf Kilometer vom Ufer der Peene entfernt, auf dem holprigen Kopfsteinpflaster des alten Gutshausensembles in Schlatkow in Ostvorpommern, gaben sich am 4. Juni 1807 Schwedens König Gustav IV Adolf und Napoleons Marschall Guillaume-Marie-Anne Brune die Hand. Nach heftigen Kämpfen schlossen Franzosen und Schweden Frieden. Die Verhandlungen, an deren Ende die Skandinavier die Inseln Usedom und Wollin an Frankreich übergaben und die Peene als Demarkationslinie anerkannt wurde, fanden im heute denkmalgeschützten Melkerhaus statt.

Mit viel Engagement und beträchtlichem finanziellen Einsatz haben in den vergangenen Jahren Einwohner des 330-Seelen-Dorfes Schmatzin das Ensemble zu neuem Leben erweckt. Doch nun droht der Gutsanlage die Zerschlagung. Denn die Treuhand-Nachfolgerin BVVG (Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH) hat ausgerechnet die Festscheune, bislang zentraler Veranstaltungsort in der abgelegenen Einöde, zum Verkauf ausgeschrieben.

Anders als das Gutshaus, die Melkerschule und das frühere Kavaliershaus befindet sich die 45 Meter lange Scheune nicht in Kommunalbesitz. Die Feldscheune war 1945 bei der Bodenreform an vier Neubauern gefallen und somit nach der deutschen Wiedervereinigung in Bundesbesitz gegangen. "Unser Auftrag ist es, ehemals volkseigene Immobilien zu privatisieren", sagt BVVG-Sprecherin Constanze Fiedler. Bis 1. Februar sei die Scheune zum Verkauf ausgeschrieben, das Mindestgebot liege bei 17 100 Euro.

Eine Summe, die Bürgermeister Klaus Brandt (parteilos) nicht aufbringen kann. "Unser Angebot von 5000 Euro hat die BVVG freundlich abgelehnt. Nun habe ich große Sorge, dass das historische Ensemble zerstückelt wird."

Per Mail hat sich inzwischen ein erster Interessent aus Bayern bei Brandt gemeldet und bekundet, die Scheune "für touristische Zwecke" nutzen zu wollen. Der Einbau von Wohnungen in der mit Wellasbest bedachten Scheune dürfte Millionen kosten. Brandt bezweifelt, dass sich so eine Herberge überhaupt rechnen wird.

Die Gemeinde will das Gesamtensemble retten, ließ es unter Denkmalschutz stellen und hofft auf Hilfe vom Land. Die Scheune müsse nicht allein der Dorffeste wegen gerettet werden, sagt Brandt. Denn das Gebäude sei inzwischen Treffpunkt für überregionale Veranstaltungen. Schlatkow, gelegen an der Vorpommerschen Dorfstraße und der Schwedenstraße, könnte ein wichtiger Anlaufpunkt werden in einer Region, die gerade mit dem Europäischen Tourismuspreis Eden-Award 2010 ausgezeichnet wurde und in diesem Jahr Naturpark werden soll.

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