zur Navigation springen

Schuldnerberatung : Guthaben vor Gläubigern sichern

vom

Jeder fünfte Privathaushalt in der Landeshauptstadt steckt in der Schuldenfalle. Durch das so genannte Pfändungsschutzkonto sollen Betroffene mehr Sicherheit erhalten.

svz.de von
erstellt am 16.Nov.2011 | 12:26 Uhr

Die Zahl ist alarmierend: Jeder fünfte Privathaushalt in der Landeshauptstadt steckt in der Schuldenfalle. Durch das so genannte Pfändungsschutzkonto, im Juli vegangenen Jahres eingeführt, sollen Betroffene mehr Sicherheit erhalten. Von Beginn kommenden Jahres an ist das P-Konto der einzige gesetzliche Weg, Guthaben vor dem Zugriff der Gläubiger zu schützen. Bei der praktischen Umsetzung gäbe es jedoch weiterhin Probleme, berichten der Leiter der Schuldnerberatungsstelle "Lichtblick" des Diakoniewerks "Neues Ufer", Siegfried Jürgensen, und Axel Drückler von der Schweriner Verbraucherzentrale.

Auf einem P-Konto besteht automatisch Pfändungsschutz für einen Betrag von 1028,89 Euro, egal ob das Geld aus Arbeitseinkommen, Kapitaleinkünften, Sozialleistungen oder sonstigen Einkünften stammt. "Bei gesetzlichen Unterhaltsverpflichtungen oder wenn andere Sozialleistungen gezahlt werden, kann ein über den Grundfreibetrag hinausgehender Betrag aufgrund einer Bescheinigung pfändungsfrei gestellt werden", erläutert Jürgensen. Laut Gesetz sollen Arbeitgeber, Familienkasse und Sozialleistungsträger diese Bescheinigung ausstellen. In der Praxis kämen viele Betroffene aber in die Schuld nerberatungsstelle, um sich das Papier ausfertigen zu lassen, so Jürgensen. Andere Betroffene wüssten häufig gar nicht, dass sie eine Bescheinigung benötigten.

Per Gesetz sind alle Kreditinstitute verpflichtet, bestehende Girokonten auf Antrag in ein P-Konto umzuwandeln. "Das P-Konto ist kein eigenständiges Kontomodell, sondern die Fortführung des bestehenden Kontos mit einer zusätzlichen, der Pfändungsschutzfunktion", sagt Axel Drückler. Das schließe unter anderem erhöhte Entgelte für P-Konten gegenüber allgemeinen Girokonten aus. "Das P-Konto darf nicht zu einem Konto zweiter Klasse werden", fordert der Verbraucherschützer. So könne es etwa nicht angehen, dass Inhaber eines P-Kontos nur Geld am Schalter abheben und nicht am Lastschriftverfahren teilnehmen dürften.

Trotz der geschilderten Anlaufschwierigkeiten bewerten Jürgensen und Drückler die Einführung des P-Kontos grundsätzlich positiv. "Das gesetzlich geschützte Existenzminimum wird unabhängig von der Herkunft automatisch vor dem Zugriff der Gläu biger geschützt. Auf dem P-Konto können außerdem in eingeschränktem Umfang Rücklagen gebildet werden", betont Jürgensen. Girokonten brauchten allerdings nicht prophylaktisch in P-Konten umgewandelt werden. "Nur wer von Kontopfändung betroffen oder unmittelbar bedroht ist, sollte die Umwandlung beantragen", rät Drückler.

Weil am Jahresende mit einem er höhten Kundenansturm bei den Banken und Sparkassen zu rechnen sei, aber auch wegen möglicherweise auftretender Probleme sollten sich Betroffene rechtzeitig über das P-Konto orientieren, empfiehlt Jürgensen. Der Infor mationsbedarf sei schon jetzt groß: "In mindestens der Hälfte der Kurz be ratungen im ,Lichtblick geht es um das P-Konto", so der Leiter. Die Schuld nerberatungsstelle in der Steinstraße 20 ist telefon isch unter der Nummer 03 85-5 81 27 76 zu erreichen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen