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Schwerin: ZVS war bei Begehung im Seniorencentrum dabei : Gutachter nimmt Heim unter die Lupe

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Wie gut wohnt es sich in einem Altenheim? Wie selbstbestimmt dürfen die Menschen ihren Alltag meistern? Im Vitanas-Seniorencentrum nahm Gutachter Reif ZVS mit bei seinem Test.

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2011 | 11:27 Uhr

Wie gut wohnt es sich in einem Altenheim? Wie selbstbestimmt dürfen die Menschen dort ihren Alltag meistern? Nicht Betreuungszeiten und Abrechungsdaten stehen im Vordergrund bei der freiwilligen Heim-Begutachtung durch die Biva, sondern die Lebensqualität. Im Vitanas-Seniorencentrum Am Schlossgarten nahm Gutachter Klaus Reif SVZ mit bei seinem Test.

Morgens gegen 8 Uhr macht er sich auf den Weg, wenn er ein Heim begutachten möchte. Im Gepäck hat er zahlreiche Fragebögen von der Biva. Die Abkürzung steht für "Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung e.V." Der Verein arbeitet seit Februar 2009 an einem bundesweiten Heimverzeichnis im Internet. Das Portal wird vom Verbraucherministerium gefördert und soll eine Orientierungshilfe sein für Menschen auf der Suche nach dem passenden Heimplatz. Rund 200 ehrenamtliche Gutachter haben seitdem 1210 Erst- und 522 Wiederholungsbegutachtungen durchgeführt. Verläuft die Überprüfung positiv, bekommt das Heim einen grünen Haken als Auszeichnung.

Klaus Reif lebt in Rostock und hat früher selbst ein Seniorenheim geleitet. Vor zwei Jahren ließ er sich zum eh renamtlichen Biva-Gutachter schulen. Rund 100 Fragen stellt er an diesem Vormittag der Heimleitung in Schwerin, 50 Fragen dem Beirat, weitere 25 Fragen sind für die anschließende Begehung vorgesehen. "Wir möchten wissen, ob die Menschen hier ihren gewohnten Lebensstil fortsetzen können", sagt Reif. 117 Senioren leben in der Einrichtung im Adam-Scharrer-Weg, davon 26 schwer Demenzerkrankte im geschützten Bereich. Auf den ist Heimleiterin Susanne Sickmann besonders stolz. "Wir arbeiten nach dem psychobiografischen Pflegemodell von Professor Böhm", sagt sie. Dabei sei die persönliche Lebensgeschichte ebenso bedeutsam wie die regionale Biografie innerhalb des betreffen den Zeitfensters. Im geschützten Bereich steht deshalb z.B. eine alte Wäsche mangel, die von den Bewohnern auch ausgiebig genutzt wird. "Ein Problem bei einigen Senioren ist, dass sie nicht genug essen und trinken", sagt Susanne Sickmann. "Aus der Jugendzeit wissen aber viele noch, dass man sich seine Mahlzeiten hart erarbeiten muss. Genau das tun sie beim Wäschewaschen. Und essen hinterher."

Dann zeigt sie das Schwarze Brett, das in jeder Etage die wöchentlichen Angebote auflistet - in ausreichend großer Schrift, wie Reif bemerkt. Gedächtnistraining, Gymnastik, Ausflüge, Einkaufstage, kreatives Gestalten, Gartenarbeit, Eisessen, Cocktail- oder Angehörigenabende, Grillen oder Musiktherapie gehören dazu. "Bei uns muss sich niemand langweilen", sagt Petra Rassau, Leiterin des sozialen Dienstes.

Schon im Fahrstuhl galt Reifs Blick der farblichen Kennzeichnung der einzelnen Etagen: blau, grün oder gelb sind dort auch die Fußböden oder Wände - als Orientierungshilfen. Im geschützten Bereich hängen oft Fotos der jeweiligen Zimmerbewohner an den Türen.

In ausgewählten Zimmern kann Klaus Reif mit den Bewohnern selbst sprechen. Anna Behnke beispielsweise ist 97 Jahre alt und bewohnt allein ein Doppelzimmer - damit all ihre Möbel hineinpassen. Wie es denn so geht, möchte Reif wissen. "Der Kopf macht noch gut mit", sagt die Seniorin, die noch regelmäßig die Tageszeitung liest - mit der Lupe. Nur Beine und Rücken wollen leider nicht mehr ganz so wie sie.

Am Ende der Begehung wird noch die neue Holzwerkstatt angeschaut und über über Angehörigenarbeit gefachsimpelt. Ein Beispiel: Eine ältere Dame schläft morgens gern bis um 10 Uhr, die Tochter zeigt sich darüber entsetzt und möchte frühere Weckzeiten. Schließlich sei ihre Mutter ein Leben lang früh aufgestanden. Hat sie sich dann Ausschlafen nicht auch mal verdient? "Im Dialog können wir solche Probleme meistens klären", sagt Sickmann.

Auch beim Treffen mit dem Gutachter setzt Sickmann auf Kommunikation. Klaus Reif ist sehr zufrieden mit dem, was er gesehen und gehört hat. Nach dem gemeinsamen Mittagessen mit den Bewohnern wird er sich wieder auf den Weg nach Rostock machen. Und den grünen Biva-Haken in Schwerin lassen.

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