Gutachter-Irrsinn um Kraftwerksbau

Seebäder verlieren ihren Status – nein, doch nicht. Der Bodden wird heißer – vielleicht. Blaualgen und Chemikalien breiten sich aus – falscher Alarm. Tiere sind bedroht – sie überleben doch. Unzählige Gutachten und Gegengutachten begleiten die Planung des Kraftswerks Lubmin. Gestern warnte der WWF – erneut – vor Quecksilber. Panik-

mache oder Komplett-Entwarnung? Die Fakten gehen im Gutachter-Irrsinn unter.

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13. Oktober 2008, 05:52 Uhr

Lubmin - Mit dem umstrittenen Kohlekraftwerk würde Deutschland der Umweltorganisation WWF zufolge seine internationalen Zusagen zum Schutz der Ostsee brechen. So würde sich die Menge an giftigem Quecksilber, die aus Deutschland jedes Jahr über die Luft in die Ostsee gelange, mehr als verzehnfachen, teilte der WWF bei der Vorlage einer neuen Studie des Instituts für Ökologie und Politik (Ökopol) zu den Umweltfolgen des geplanten Kraftwerks mit. Das Gift gelange auch in Fische und damit auf den Teller der Verbraucher. Ökopol-Vertreter Christian Tebert warf den Autoren bisheriger Studien vor, bei der Quecksilberbelastung nur das erste Betriebsjahr des Kraftwerks betrachtet zu haben.
Die Kernaussagen der bisherigen Gutachten:

7.12.07: Laut einem Gutachten von zwei Professoren aus Rostock und Lüneburg hat das Kraftwerk keine langfristig negativen Effekte auf den Tourismus in der Region. Keines der Seebäder müsse um seinen Status bangen.
11.12.07: Eine Studie des TÜV Nord Umweltschutz geht von weniger Belastungen für den Greifswalder Bodden aus als bislang angenommen.
13.12.07: Einem von der Umweltstiftung WWF vorgestellten Gutachten zufolge werden durch das Kraftwerk deutlich mehr Schadstoffe ausgestoßen, als vom dänischen Investor Dong angegeben, darunter auch krebserzeugende Chemikalien.
17.04.08: Ein Zwischenbericht des Warnemünder Instituts für Ostseeforschung (IOW) kommt zu dem Ergebnis, dass das Projekt offenbar größere Auswirkungen für den Bodden haben könnte.
30.05.08: Ein Prüfbericht an das Staatliche Amt für Umwelt und Natur (StAUN) Stralsund weist auch auf die Gefahr einer starken Vermehrung gefährlicher Legionellen, Blaualgen, Viren und Bakterien durch Kühlwasser hin.
10.06.08: Das Institut für Ostseeforschung stellt ein Gutachten vor, dem zufolge der geplante Betrieb von drei Gas- und Steinkohlekraftwerken bei Lubmin keine negativen ökologischen Auswirkungen auf den Bodden hat.
30.09.08: Ein von der Landesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten von drei unabhängigen Sachverständigen rechnet mit keinen Auswirkungen auf die Gesundheit von Bevölkerung und Badegästen sowie auf den Kurstatus der Region.

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