Güstrower Bernd Lippert engagiert sich als Jugendschöffe

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15. April 2008, 08:47 Uhr

Güstrow - „Man bekommt Einblicke in die Strukturen der Rechtssprechung, die den meisten Menschen verborgen bleiben“, sagt Bernd Lippert. Für ihn ein enormer Zuwachs an Bildung. Seit 13 Jahren ist der 51-jährige Güstrower am Amtsgericht als Jugendschöffe bei Strafsachen gegen Jugendliche und Heranwachsende in Aktion, sitzt bei Verhandlungen und Urteilsverkündungen direkt neben dem Richter. Und nicht nur das: Als Schöffe hat er das gleiche Stimmrecht wie der Berufsrichter, hat also wesentlichen Einfluss auf das Urteil. „Gefragt ist hier nicht der Jurist, sondern der gesunde Menschenverstand. Man bringt sich mit seiner Lebens- und Berufserfahrung ein“, erklärt Lippert.

Für ihn ist das Schöffenamt auch eine Frage des ehrenamtlichen Engagements für die Gesellschaft. Besonders aufwändig sei die Tätigkeit als Jugendschöffe nicht. „Es gibt höchstens fünf Sitzungen im Jahr und man bekommt die Termine langfristig genannt“, sagt Lippert, der seit 1981 bei der Diakonie in Güstrow arbeitet und heute Einrichtungsleiter des Pflegeheims „Am Rosengarten“ ist.

Als Jugendschöffe habe man zudem die Möglichkeit und Verantwortung, Einfluss auf die Zukunft von straffällig gewordenen Jugendlichen zu nehmen, ist der 51-Jährige überzeugt. „Es geht nicht um das Abstrafen, sondern darum, Weichen zu stellen. Man darf den Jugendlichen nicht die Zukunft verbauen, sondern muss ihnen neue Wege aufzeigen“, sagt Lippert. Mit der Erfahrung als Jugendschöffe, den zahlreichen Hintergrundinformationen, die er vor Gericht bekommen hat, sieht Lippert heute viele Dinge anders. „Man kann nicht einfach jemanden vorverurteilen, man muss Beweise haben“, sagt er.

Dass es so wenige Vorschläge für das Amt des Jugendschöffen in Güstrow gibt, stimmt Lippert nachdenklich. „Wenn sich nicht genug freiwillig melden, wird man berufen. Dagegen kann man sich nicht wehren“, sagt er. Dann könnte es auch passieren, dass Leute einer bestimmten politischen Coleur in diese Entscheidungspositionen gelangen, die man dort eigentlich nicht sehen will.

Wer sich für das Jugendschöffenamt interessiert, sollte sich so schnell wie möglich bei seiner Gemeinde melden oder sich an den Landkreis Güstrow wenden.

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