Mecklenburg-Vorpommern : Grüne Schätze im Dornröschenschlaf

 Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele historische Parkanlagen wie in Mecklenburg-Vorpommern. dpa/Archiv
Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele historische Parkanlagen wie in Mecklenburg-Vorpommern. dpa/Archiv

Mehr als die Hälfte der rund 600 geschützten Anlagen in MV verwildern: Zugewachsene Sichtachsen müssen freigeschlagen, Kanäle saniert, verschwundene Wege wieder angelegt, Rasenflächen erneuert werden.

von
17. November 2010, 11:43 Uhr

Das einst großherzogliche Sommerschloss in Raben Steinfeld am Schweriner See steht leer. Der Park ist kaum noch als solcher zu erkennen, Jahre ohne Pflege haben das Werk des Schweriner Hof-Gartendirektors Theodor Klett aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Wald verwildern lassen. Vor sechs Jahren ließ das Land das Schloss und einen Großteil des Parks versteigern. Eine Schweizer Immobilienfirma ist der neue Eigentümer, erzählt der Bürgermeister des Örtchens, Horst-Dieter Kobi. Dass sich seither nichts getan hat, bedauert er sehr. Den Park will die Gemeinde jetzt retten. Kostenpunkt: eine Million Euro.

Raben Steinfeld, vor den Toren der Landeshauptstadt gelegen, ist als Wohnort beliebt. Die Steuereinnahmen sprudeln und so kaufte das Dorf 3,5 Hektar des englischen Landschaftsparks von den Eigentümern. 1,5 Hektar hatte die Gemeinde schon. Für die Restaurierung stellt der Ort 400 000 Euro bereit, wie Kobi sagt. Der Rest der Summe soll aus anderen Quellen kommen, vom Land und von der EU.

Raben Steinfeld ist allerdings nicht die Regel. Landeskonservatorin Ewa Prync-Pommerenke sagt, dass lediglich 40 Prozent der rund 600 denkmalgeschützten historischen Parkanlagen in Mecklenburg-Vorpommern "einigermaßen in Schuss" sind. Die vielen anderen brauchen eine grundlegende Sanierung. Das heißt: Zugewachsene Sichtachsen müssen freigeschlagen, Kanäle saniert, verschwundene Wege wieder angelegt, Rasenflächen erneuert werden."Das sind in der Regel große Investitionen", sagt Prync- Pommerenke. Doch sie macht Eigentümern Mut, die sich mit der Aufgabe überfordert fühlen. Es müsse ja nicht gleich alles auf einmal gemacht werden. Zu gründliches, zu schnelles Aufräumen könne sogar nachteilig sein: "Wenn alte Bäume plötzlich freigestellt werden, können sie Schäden davontragen." Rinde kann platzen, wenn plötzlich Licht und Sonne herankommen.

Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele historische Parkanlagen wie in Mecklenburg-Vorpommern. Grund sind die über Jahrhunderte den Nordosten prägenden Gutsherrschaften mit ausgedehnten Ländereien. Zum Schloss gehörte in der Regel ein repräsentativer Park. Die heutigen Anlagen stammen meist aus dem 19. Jahrhundert, als der englische Landschaftspark in Mode war. Freude kommt bei Ewa Prync-Pommerenke auf, wenn sie an den zur Bundesgartenschau 2009 frisch restaurierten Schweriner Schlossgarten denkt (Kostenpunkt: 8,5 Millionen Euro) oder an den Park von Putbus auf Rügen. "Wir haben aber auch viele Anlagen, die uns Sorgen machen", sagt sie. Dazu gehören Schloss und Park Ivenack (Kreis Demmin) und auch Divitz bei Barth in Nordvorpommern. Zur dortigen, heruntergekommenen Wasserburg gehört ein nur noch in seiner Grundstruktur erkennbarer, 17 Hektar großer Landschaftsgarten, der zwischen 1820 und 1830 vom Preußischen Hofgärtner Gustav Meyer angelegt wurde.

Für den Landestourismusverband sind die zahlreichen Gärten und Parks in Mecklenburg-Vorpommern ein Pfund, mit dem es stärker zu wuchern gilt. Landesweit gibt es laut Verband knapp 300 Schlösser und Herrenhäuser, die touristisch genutzt werden. Sie vermitteln Authentizität, was bei Touristen zunehmend gefragt ist.

"Da gehört, wenn vorhanden, auch die Parkanlage dazu", sagt Verbandssprecher Tobias Woitendorf. Aber er weiß auch, dass Sanierung und Pflege einer solchen Anlage aufwändig sind.Wie historische Gartenanlagen mit Liebe und Engagement ihrer Eigentümer vorankommen können, zeigen Schloss und Park Marihn (Müritzkreis). Die Besitzer des als Hotel genutzten Herrenhauses belebten den umgebenden Gutspark wieder, setzten 8000 englische Rosen und bauten den Park nach und nach zu einem "Genussgarten" aus. Ende Oktober wurde Marihn bei den ersten Europäischen Schlösser & Gärten Tagen in Berlin-Charlottenburg als "Bestes Gartenprojekt" ausgezeichnet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen