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Großer Wurf für kleine Waldbesitzer

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erstellt am 20.Mai.2010 | 01:20 Uhr

Benthen/Sandhof | Was tun, wenn ein kleines Stück Wald Vielen gehört? Die Forstbetriebsgemeinschaft Benthen - eine der aller kleinsten in Norddeutschland - macht einen Deal mit der vergleichsweise riesigen Landesforstverwaltung, mit dem beide glücklich sind.

Im kommenden Herbst rattern Harwester im Auftrag des staatliche Forstamts Sandhof durch den privaten Wald nahe dem Dörfchen Neu Benthen. Eine entsprechende Ausschreibung läuft seit wenigen Tagen. Vor kurzem noch erschien der Einsatz solch hocheffizienter Holzerntemaschinen hier als Utopie, meint Anwohner Siegfried Dahl. Denn die gut 47 Hektar haben nicht weniger als 22 Besitzer, von denen allerdings kein einziger genau sagen kann, welches seine Parzelle ist, weiß der 69-jährige Landwirt. Ihm persönlich gehören von den sage und schreibe 200 Anteilen dieser Waldfläche gerade mal neun. Genau doppelt so viele hält der größte Anteilseigner dieser nach Aufsiedelung des Gutes in den 1930er Jahren begründeten Waldbesitzer- und Forstbetriebsgemeinschaft, deren aktueller rechtlicher Status nach Landeswaldgesetz 1996 anerkannt wurde.

Wolfgang Neumann ist Sprecher ihres dreiköpfigen Vorstands und bestätigt, dass die Flächenanteile tatsächlich niemals vermessen, geschweige denn den einzelnen Eignern konkret zugewiesen wurden. Das hatte bislang zur Folge, dass zwar jeder Eigentümer "nach der Papierform" fällige Kosten wie Steuern, Aufwendungen für die Verkehrssicherungspflicht etc. berappen musste, aber praktisch keine Möglichkeit hatte, direkten Nutzen aus seinem Privatwald zu ziehen ohne ihn - ideell - zu veräußern. Nun erweist sich diese Konstellation unverhofft als Chance.

Förster Uwe Linke aus dem Nachbarrevier Sehlsdorf hatte als weitsichtiger Fachmann schon immer auch die Umgebung seines Zuständigkeitsgebiets mit im Blick. Denn die Natur mit Wasser, Wind, Wetter und auch Wild schert sich um menschengemachte Grenzen bekanntlich wenig.

Auch der enge Kontakt zu Landwirten und Waldbesitzern, von denen manche nebenbei Weidgenossen sind, ist für den Sehlsdorfer Försterssohn selbstverständlich. So kam er u. a. mit Siegfried Dahl ins Gespräch, der ebenfalls der Ansicht war, dass sich in dem zuletzt in DDR-Zeiten bewirtschafteten Waldstück bei Neu Benthen dringend etwas tun müsste. Besonders die Kahlschläge von damals aber auch die alten Bestände hätten forstfachliche Regulierung bitter nötig.

Revierförster Uwe Linke konsultierte also seinen Forstamtsleiter Frank Zerbe in Sandhof, der sich wiederum der Kompetenzen seines Sachbearbeiters Holzwirtschaft, Hans-Werner Will, versicherte und zugleich mit seinem Amtsbruder Wolfgang Starke im Forstamt Karbow abstimmte. Einer angestrebten Kooperation mit der Forstbetriebsgemeinschaft Benthen stand praktisch nur noch der Umstand im Wege, dass ihr Territorium nicht nur das Revier Sehlsdorf, sondern auch das Revier Kreien berührt.

"Keiner von uns fischt ungefragt in fremden Gewässern", sei eine bewährte Goldene Regel unter den staatlichen Forstbeamten, betont Zerbe und dankt Karbows Forstamtsleiter Starke und seinem Revierförster Hartmuth Bengs für die sofortige unbürokratische Zustimmung.Das Ergebnis all dieser sorgfältigen Vorbereitung ist ein Dienstleistungsvertrag über ständige Beförsterung, selektiven Holzeinschlag und Vermarktung sowie nachhaltige Bewirtschaftung der Waldfläche der Forstbe-triebsgemeinschaft Benthen durch die staatliche Forstverwaltung MV.

Diese Kooperation sei für beide Seiten fruchtbringend, betonen die Unterzeichner, zumal auch der Zeitpunkt ihres Starts kaum günstiger sein könnte. So habe sich die Nachfrage auf dem Holzmarkt gerade dermaßen erholt, dass bereits der zum Auftakt der Arbeiten notwendige relativ umfangreiche Holzeinschlag den Waldbesitzern einen Erlös verspricht, welcher die nicht gerade billigen Kosten mindestens siebenmal wett macht, freut sich Wolfgang Neumann. Dem 51-jährigen Diplom Agraringenieur aus Benthen ist aus Erfahrung auch die Abwicklung "in einer Hand" durchaus sympathisch. Das Forstamt Sandhof als Auftragnehmer indes kann, nach Aussagen seines Chefs, das nun zusätzlich "erntereife" Holzaufkommen aus Neu Benthen sehr gut bei seinen langfristigen Vertragspartnern in der Holzindustrie unterbringen und die vorteilhaften Preise an die Benthener Forstbetriebsgemeinschaft weiterreichen.

Auf der Grundlage des Waldgesetzes könne übrigens ein jeder Waldbesitzer ein- bis zweimal pro Jahr die forstfachliche Beratung aus seinem zuständigen staatlichen Forstamt kostenlos in Anspruch nehmen, merkt Frank Zerbe noch einmal ausdrücklich an.


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