Großer Flottentausch: Schlechte Karten für Schluckspechte

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18. Juli 2008, 05:24 Uhr

Kunden steigen
auf Kleinwagen umMecklenburger sparen nach Kostenexplosion Mecklenburg-Vorpommerns Autofahrer wechseln die Flotte: Mit Kleinwagen geben sie Gas, Spritschlucker lassen sie stehen. Drastisch gestiegene Spritkosten und galoppierende Verbraucherpreise haben die Autowunschliste der Nord-
deutschen verändert: Gefragt sind Neuwagen mit geringem Verbrauch und Gebrauchte bis 6000 Euro.

Schwerin/Rostock - Statt Hubraum und PS-Gehabe rücken Sparsamkeit und geringer Anschaffungspreis beim Autokauf in den Vordergrund. Nach der Explosion der Preise sind Klein- und Kleinstwagen gefragt, meinte Wolfgang-R. Hildesheim, Autohändler und Sprecher des Landesverbandes des Kfz-Gewerbes, gestern in Ludwigslust.

Inzwischen wird sogar das Angebot knapp: Die kleinen Wagen stehen immer seltener auf dem Hof. Allein im ersten Halbjahr habe der Absatz um 27 Prozent zugelegt, erklärte ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. „Gerade Pendler wollen so preiswert wie möglich kaufen“, sagte Hildesheim.

Der Markt für größere Fahrzeuge werde hingegen für die 800 Verbandsbetriebe der Kfz-Branche mit ihrer 8000 Mitarbeitern immer schwieriger. „Den Leuten fehlt das Geld.“ Früher seien im Schnitt alle drei Jahre neue Wagen gekauft worden, heute nur noch alle vier bis sechs Jahre.

Selbst am Werkstattbesuch sparen die Autofahrer in MV, erklärt Hildesheim. Das Geschäft sei um etwa 20 Prozent eingebrochen. „Die fetten Jahre sind vorbei“, fügte Ansga Klein, Vorstand des Bundesverbandes freier Kfz-Händler.

„Das ist der Beginn einer Zeitenwende, in der konsequenter auf sparsame Autos umgestiegen wird.“ Kleineren Fahrzeugen werde stärker die Zukunft gehören, meinte ADAC-Sprecher Maurer.

Schlechte Karten für Schluckspechte auf Deutschlands Straßen. Kleinere Motorisierungen und Modelle werden gekauft, beobachtete auch Lillian Brauer vom Marktanalyst EurotaxSchwacke. „Spritschlucker haben hingegen nicht die besten Karten.“

Aus den Vorzeigemodellen der Autoindustrie sind schwer verkäufliche Ladenhüter geworden. Preisverfall am Gebrauchtwagenmarkt: Brachte ein zwei bis drei Jahre alter 5er BMW vor zwei Wochen noch 25000 Euro sind es jetzt nur noch 20000 Euro, erklärt Klein. Bei verbrauchsstarke Autos seien die Preise je nach Model um bis zu 30 Prozent gefallen.

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