Atomkraftgegner demonstrieren : Groß angelegter Protest in Gorleben

Für den Castor-Transport werden   in Dannenberg  Hüllen im  Verladebahnhof auf Sattelauflieger gesetzt. Elf Behälter mit hoch radioaktivem Abfall aus der Wiederaufarbeitung im nordfranzösischen La Hague werden am  Wochenende im Wendland erwartet.dpa
Für den Castor-Transport werden in Dannenberg Hüllen im Verladebahnhof auf Sattelauflieger gesetzt. Elf Behälter mit hoch radioaktivem Abfall aus der Wiederaufarbeitung im nordfranzösischen La Hague werden am Wochenende im Wendland erwartet.dpa

Bundesweit rüsten sich Atomkraftgegner zu einer Großdemo in Gorleben. Für den kommenden Samstag rechnen Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg und Polizei mit rund 30 000 Teilnehmern.

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03. November 2010, 09:40 Uhr

Prignitz/Gorleben | Darunter werden auch Aktivisten aus der Prignitz sein. Bärbel und Wilfried Treutler (Bündnis 90/Grüne) fahren nach Gorleben. "Es geht nicht um Parteipolitik, sondern um die Sache", sagt Bärbel Treutler. Sie hoffe, dass die Bundesregierung die Demo als ein Signal versteht. "Dort steht nicht ein Häuflein Durchgeknallter auf der Straße", sagt sie, "sondern Atomkraftgegner, die die Mehrheit der deutschen Bevölkerung vertreten." Sie erwarte eine friedliche Demonstration.

Die Linkspartei plant Fahrgemeinschaften, informiert deren Kreisvorsitzender Thomas Domres. "Wir treffen uns mit den Linken aus Niedersachsen, schließen uns ihren Aktivitäten an", so Domres.

Die Prignitzer Jusos nehmen als Verband nicht an der Demo teil, wie gestern ihr Vorsitzender Timm Buchholz informierte. Er selbst sei ebenfalls verhindert. Noch vor zwei Wochen hatten die Jusos eine Antiatom-Kundgebung in Wittenberge durchgeführt, um Teilnahme an der Grolebener Demo geworben. "Per Mail habe ich unsere Mitglieder informiert. Jeder muss für sich entscheiden, ob er teilnimmt", so Buchholz.

Abfahrt vom Bahnhof in Wittenberge

Organisierte Busse halten zwischen 10.30 und 10.45 Uhr am Bahnhof in Wittenberge, ein weiterer Halt sei in Lenzen vorgesehen. Zu der Großkundgebung unter dem Motto "Castor stopp - Atomausstieg sofort" um 13 Uhr sind bislang 220 Busse angemeldet. Zudem werde es Bus-Shuttle-Verkehr zwischen den Bahnhöfen in Lüneburg, Uelzen, Salzwedel und Ludwigslust und der Protestkundgebung in Sichtweite der Dannenberger Castor-Umladestation geben, sagt Jochen Stay von der Anti-Atom-Kampagne "ausgestrahlt". "ausgestrahlt" hat auch eine Mitfahrbörse eingerichtet, damit in anreisenden Autos keine Plätze freiblieben. "Wer mit dem Auto kommt, muss vor allem früh losfahren", sagt Stay.

Lüchow-Dannenbergs Landrat Jürgen Schulz (parteilos) hoffe ebenfalls auf eine möglichst große Zahl von Teilnehmern. Im Kreistag gebe es längst eine deutliche Mehrheit gegen das im Salzstock Gorleben geplante Endlager.

Im Zusammenhang mit den Gasvorkommen (wir berichteten) unterhalb des Gorlebener Salzstocks spricht jetzt auch die Umweltschutzorganisation Green peace vor unkalkulierbaren Risiken. Unter Verweis auf Bohrberichte aus den 1980er Jahren betonte Greenpeace, durch über 200 Grad heiße Atommüllbehälter könnte es in dem niedersächsischen Salzstock zu Explosionen und Wassereinbrüchen kommen. Zuvor hatte bereits die Bundestagsfraktion der Linken über die Gasvorkommen und Bohrungen vor allem auf Lenzener Seite informiert. Vor zwei Wochen fand dazu eine Veranstaltung in Lenzen statt. Die als geheim eingestuften Akten sind erst im Zuge der Arbeit des Untersuchungsausschusses zu Gorleben ans Tageslicht gekommen.

In den offiziellen Gorleben-Akten wurden die Gefahren durch das Gas nach Einschätzung von Greenpeace verschleiert: Es habe geheißen, dass es sich um zu vernachlässigende Vorkommen handele, die sich im Salzstock selbst gebildet hätten. Offensichtlich seien die Vorkommen jedoch wesentlich größer. Der sich bis in die Prignitz hinein erstreckende Salzstock könnte somit zu einer tickenden Zeitbombe werden.

Der Kreistag Prignitz befasst sich auf seiner Dezembersitzung mit Gorleben.

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