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Größte Schweinezuchtanlage in MV darf gebaut werden

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erstellt am 05.Okt.2010 | 10:55 Uhr

Die umstrittene große Ferkelzuchtanlage in Alt Tellin (Kreis Demmin) kann gebaut werden. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt in Neubrandenburg hat den Bau der Anlage für rund 10 500 Sauen und 35 000 Ferkel genehmigt, teilte das Amt am Dienstag mit. Damit kann die bisher größte Schweinzuchtanlage in Mecklenburg-Vorpommern entstehen, wie die Leiterin des Amtes Christa Maruschke in Neubrandenburg sagte. Es wird auch eine der größten Schweinezuchtanlagen in Ostdeutschland, hieß es vom Hybrid-Schweinezuchtverband. Mit rund 700 Einwendungen war es eines der größten Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz, das das Neubrandenburger Amt bisher zu leisten hatte.

Gegner des Vorhabens hatten zwei Jahre lang gegen den Bau protestiert. Sie befürchten Umweltprobleme, Gestank durch Gülle und Beeinträchtigungen des sich erst langsam entwickelnden Tourismus in dieser strukturschwachen Region. Einige der Protestierer hatten einen Nachbarbetrieb blockiert, damit dieser nicht Flächen an den Investor verkaufe.

Die Genehmigung nach langer Prüfung gilt für den Neubau von drei Stallgebäuden sowie einer Biogasanlage und eines Güllelagers, wie es hieß. Investor ist die Schweinezucht Alt Tellin GmbH, die zur Firmengruppe des holländischen Schweinzüchters Adrian Straathoff gehört, deren Hauptsitz in Gladau (Sachsen-Anhalt) liegt. Laut Genehmigung darf aber nur etwa ein Fünftel der Sauen gleichzeitig Junge werfen.

Gegen die Genehmigung, die jetzt für zwei Wochen zur Einsicht ausgelegt wird, kann noch Widerspruch eingelegt werden. „In diesem Fall hat der Investor aber den sofortigen Vollzug beantragt, das heißt ein Widerspruch hätte keine aufschiebende Wirkung“, sagte Maruschke. Damit könnte der Betrieb sofort mit dem Bau beginnen. Nach eigenen Angaben will Straathoff rund 16 Millionen Euro investieren, die Gemeinde hofft auf 40 Arbeitsplätze.

Hintergrund des Vorhabens ist, dass die Schweriner Landesregierung die nach 1990 stark gesunkene Tierhaltung im Nordosten wieder ankurbeln will. So wurde Alt Tellin auch als Vorranggebiet für gewerbliche Tierhaltung ausgewiesen. Straathoff hat in Ostdeutschland nach eigenen Angaben sieben Anlagen mit 165 Beschäftigten, zwei davon im Nordosten in Fahrbinde (Kreis Ludwigslust) und Medow (Ostvorpommern).

Enttäuscht reagierten die Grünen in Neubrandenburg auf die Entscheidung des Amtes. Damit sei eine „überdimensionierte Industrieanlage“ genehmigt worden, bei der der Tierschutz, die Qualität und auch die Menschen der Region auf der Strecke blieben, erklärte Hendrik Fulda als Kreisverbandssprecher. „Schneller, höher, weiter ist nicht die richtige Lösung, wenn es um den Erhalt von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum geht und wir unseren Ruf als Tourismus- und Erholungsland erhalten wollen.“

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