Griff nach Asien - Zahnradwerk errichtet Niederlassung in Indien

Rezession und Finanzkrise, Absatzeinbruch und Entlassungen in der Automobilbranche. Ganz anders präsentiert sich das Pritzwalker Zahnradwerk. Dieses folgt seinen Kunden mit einem Werksneubau – in Indien.

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27. Oktober 2008, 06:52 Uhr

Pritzwalk - Geschäftsführer Heiner van de Loo hält mit der guten Nachricht nicht hinterm Berg:
„Wir gehen davon aus, dass wir 2010 in Indien die Produktion aufnehmen werden“, sagt er gestern gegenüber unserer Redaktion, nachdem van de Loo erst am Wochenende aus Asien zurückgekehrt war. Dort hatte er sich in der zurückliegenden Woche den Produktionsstandort angeschaut, Kontakte zu örtlichen Unternehmen geknüpft.

Etwa sechs Millionen Euro wird das Prignitzer Unternehmen im Süden Indiens, in Puna, investieren. „Wir müssen das machen, um weiter im Geschäft zu bleiben, denn die meisten unserer Kunden sind bereits in Indien“, begründet der Geschäftsführer diesen Schritt.

Keinesfalls sei die Entscheidung Ausdruck für eine schlechte Arbeit im Pritzwalker Werk. „Wir stellen hier sehr gute Produkte in sehr guter Qualität her. Aber die Transportwege sind zu teuer und der Transport dauern zu lange“, so van de Loo, der vor allem in Asien den Zukunftsmarkt im Bereich der erneuerbaren Energien sieht.

Zu einem großen Teil stütze sich die Produktion des Pritzwalker Zahnradwerkes auf die Herstellung von Getrieben und Wellen für Windkraftanlagen. „Ich kann jetzt schon sagen, dass wir bereits für das Werk in Indien Bestellungen von etwa 4000 Zahnrädern haben. Das entspricht einem Warenwertumfang von etwa 15 Millionen Euro. Wir sind dabei, die Maschinen zu bestellen und uns bei einem anderen Unternehmen einzumieten“, sagt van de Loo.

Ab April 2009 sollen die ersten Mitarbeiter für das neue Werk ausgebildet werden. Das erfolgt in Indien. Aber auch aus Pritzwalk sollen einige Mitarbeiter in das indische Werk wechseln. Neben der Werksleitung seien das auch Fachkräfte, die die neuen Mitarbeiter anlernen und für die Qualitätssicherung verantwortlich sein werden.

Negative Auswirkungen für den hiesigen Standort befürchtet van de Loo nicht. Eher sei das Gegenteil der Fall. Er gehe davon aus, dass in Pritzwalk künftig verstärkt spezielle Anfertigungen produziert werden, die dann nach Indien zugeliefert werden.

Angesichts der weltweiten Finanzkrise und einer zu erwartenden Wirtschaftskrise sei er dennoch optimistisch. „Energie wird ein teures Gut bleiben, die natürlichen Ressourcen werden ja trotz Krise
nicht mehr und im asiatischen Raum ist Energiesicherheit ein viel größeres Thema als bei uns“, sagt Heiner van de Loo.

Das Zahnradwerk in Pritzwalk sei gesund, so van de Loo und werde den Umsatz steigern. Fast 70 Millionen Euro Umsatz werden die 394 Mitarbeiter zum Jahresende erzielen und auch für das kommende Jahr sind die Auftragsbücher in ähnlichem Umfang bereits gefüllt, freut er sich. Er selbst will die Investition in Indien begleiten, sein Lebensmittelpunkt bleibe die Prignitz.

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