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Armutszeugnis für die Lübecker Bürgerschaft : Grenzmuseum droht das Aus

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Das Museum am ehemaligen Grenzübergang Lübeck-Schlutup droht das Aus. Der Grund: SPD, Linke und Grüne haben beschlossen, dass der Verein "Grenzdokumentationsstätte" künftig Miete zahlen muss.

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erstellt am 04.Mär.2011 | 11:47 Uhr

Das Museum am ehemaligen Grenzübergang Lübeck-Schlutup - es zeigt Fotos, Videos und Zeitzeugenberichte vom Alltag an der ehemals innerdeutschen Grenze und auch von den unvergessenen Momenten im November 1989, als der Eiserne Vorhang fiel. Doch jetzt droht dem Museum das Aus. Der Grund: SPD, Linke und Grüne - sie haben die Mehrheit in der Lübecker Bürgerschaft - haben beschlossen, dass der Verein "Grenzdokumentationsstätte" künftig Miete zahlen muss. Die Höhe ist noch unklar. Eine ortsübliche Miete, wie es im Beschluss heißt, liegt aber zwischen 500 bis 800 Euro pro Monat. Zu viel Geld für den Verein, sagt Ingrid Schatz, sie ist zweite Vorsitzende des Vereins. "Die Nebenkosten und die Reparaturen können wir gerade noch berappen. Eine Miete allerdings könnten wir nicht zahlen." Das sei bei zwei Euro Eintritt für Erwachsene und bis zu 1600 Besuchern im Jahr einfach nicht drin. Und den Eintritt zu erhöhen, dass komme für den Vorstand nicht in Frage, so Schatz.

Bei Politikern in Nordwestmecklenburg stößt die Entscheidung der Bürgerschaft auf Unverständnis. Landrätin Birgit Hesse (SPD) spricht von einem "Armutszeugnis" für die Hansestadt. "Es wäre sehr schade, wenn es das Grenzmuseum nicht mehr geben würde", so Hesse. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Christian Albeck, meint: "Durch ein Aus des Museums würde ein Stück politische Aufklärung verloren gehen. Vor allem für die Schulklassen aus Lübeck, Selmsdorf und Schönberg, die sich hier bislang im Geschichtsunterricht über die Vorwendezeit informieren."

Selmsdorfs Bürgermeister Detlef Hitzigrat (parteilos) will deshalb auch noch

mal mit seinem Lübecker Amtskollegen Bernd Saxe (SPD) telefonieren. "Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden. Denn das Museum darf nicht geschlossen werden. Es ist geschichtsträchtig und außerdem besuchen auch Schulen aus Selmsdorf und Schönberg regelmäßig das Museum." Hitzigrat findet die Entscheidung der Bürgerschaft "traurig." Vor allem für das Engagement der ehrenamtlich Tätigen wie Frau Schatz sei das ein Tritt vor das Schienbein. "Es gibt doch andere Sachen in Lübeck, wo man Geld sparen kann", sagt er.

Durch die Miete will die Hansestadt den Haushalt entlasten. Die Neuverschuldung in diesem Jahr beträgt 91 Millionen Euro. Bei der Lübecker CDU stößt der Beschluss der rot-rot-grünen Mehrheit auf Unverständnis. Der Vorsitzende Andreas Zander sagte auf Anfrage unserer Zeitung: "Die Maßnahme der Bürgerschaftsmehrheit liefert ja nicht einmal eine Entlastung des

Haushalts, sie scheint ausschließlich darauf ausgerichtet zu sein, die Schließung einer erfolgreich und stets ehrenamtlich betriebenen Einrichtung voranzutreiben." Das Grenzmuseum koste die Hansestadt derzeit nicht einen Cent, sagt Zander. Deshalb sei es schade, "wenn es Gästen künftig nicht mehr

möglich wäre, sich über die jüngste Geschichte und den Terror der sozialistischen Gewaltherrschaft im Osten Deutschlands zu informieren. Aber die Linken möchten wohl nicht an die DDR-Diktatur erinnern", so Zander weiter.


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