Gold-Coup in Berlin: Nerius größter Triumph

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18. August 2009, 09:17 Uhr

Steffi Nerius reckte die Arme in den Himmel von Berlin, schlug fassungslos die Hände vors Gesicht und riss im Überschwang der Gefühle das Maskottchen Berlino zu Boden. Die 37 Jahre alte Leverkusenerin ist zum Abschluss ihrer Karriere als erste deutsche Speerwurf-Weltmeisterin in die Leichtathletik-Geschichte eingegangen. Mit dieser Sensation versetzte sie die 35 000 Zuschauer im Olympiastadion in einen Freudentaumel. 16 Jahre nach ihrer ersten WM-Teilnahme 1993 in Stuttgart schleuderte Nerius ihr Wurfgerät gleich im ersten Versuch auf 67,30 hinaus. “Einfach gigantisch, einfach nur geil, Wahnsinn! Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll„, jubelte Steffi Nerius nach ihrem Gold-Coup.

Zum Heulen zumute war Christina Obergföll: Die zweimalige Vize- Weltmeisterin konnte sich auch am Dienstagabend nicht aus ihrer Formkrise herauskämpfen und enttäuschte als Fünfte mit schwachen 64,34 vor Nerius“ Teamkollegin Linda Stahl. Die gefeierte Siegerin ließ selbst Titelverteidigerin, Olympiasiegerin und Weltrekordlerin Barbora Spotakova (66,42) aus Tschechien hinter sich. Die Russin Maria Abakumova, mit 65,39 Meter Dritte, konnte nicht an ihre starke Vorstellung aus dem Vorkampf anknüpfen.

Nerius hingegen holte ihre siebte Medaille bei großen Meisterschaften. „Sie ist eine absolute Kämpferin“, meinte ihr Trainer Helge Zöllkau kopfschüttelnd und nahm seinen Schützling ganz fest in die Arme. „Danke, dem Publikum“ stand auf einem schwarzen T- Shirt, das Nerius auspackte. Dann machte sie sich als erste Weltmeisterin des Gastgebers auf die Ehrenrunde. Auf einem Plakat stand: „Lass ihn fliegen - heute ist dein Tag.“

„Berlin - macht Rabatz!“, hatte auf Nerius„ weißem Stirnband gestanden. Aber für Stimmung sorgte sie schon selbst. Gleich zum Auftakt riss die Europameisterin das Publikum mit und die Arme hoch. “Der erste Wurf hat sich super angefühlt„, sagte Steffi Nerius.

Vor ihren letzten internationalen Titelkämpfe hatte sie nur eine Wunsch: “In Berlin will ich den Wettkampf genießen. Ein Traum wäre aber eine Medaille, egal, welche Farbe sie hat. Es wäre der perfekte Abschluss für mich.„ Und so kann die Diplom-Sportlehrerin, die am 1. Oktober einen Fulltime-Job in der Behindertensport-Abteilung bei Bayer Leverkusen antritt, auf einem Höhepunkt ihrer Karriere abtreten - was nur wenigen Leichtathleten gelingt. Es war der größte Erfolg der Olympia-Zweiten von 2004.

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