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Schiefes Nest beunruhigt Dorfbewohner : Göllin bangt um sein Storchenpaar

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Die Gölliner sind um ihr Storchenpaar besorgt. Das Nest, das auf einem Mast auf einem Privatgrundstück steht, befindet sich in Schieflage. Ein Teil des Horstes ist auch schon zu Boden gefallen.

svz.de von
erstellt am 21.Mär.2011 | 01:47 Uhr

Die Gölliner sind um ihr Storchenpaar besorgt. Das Nest, das auf einem Mast auf einem Privatgrundstück steht, befindet sich in einer Schieflage. "Ein Teil des Horstes ist auch schon zu Boden gefallen", sagt Erika Tresp und deutet auf die am Boden liegende Ansammlung von kleinen Ästen. Sie sowie Petra Züsle und die anderen Dorfbewohner befürchten nun -sollte es kein neues Nest geben - dass Meister Adebar einen Bogen um Göllin macht. Diesen Eindruck bestätigt auch Storchenexperte Paul Thomzick. "Wenn das Nest schief hängen bleibt, fliegt der Storch weiter", sagt er. Für ihn unvorstellbar. "Es ist ein Kulturgut, dass erhalten werden muss", sagt Thomzick.

Er und andere Gölliner haben bereits alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit Adebar dieses Jahr noch eine passende Nistgelegenheit findet. "Ich habe dem Ortsvorsteher Martin Vorbeck sofort die marode Nistgelegenheit gezeigt", sagt Thomzick. Vorbeck hat daraufhin mit der Wemag Kontakt aufgenommen, ist mit deren Vogelschutzbeauftragten bei dem maroden Horst gewesen. "Es soll nun ein neuer Mast aufgestellt werden", sagt der Ortsvorsteher. Allerdings nicht auf seinem alten Platz, sondern in der Nähe des Gölliner Gemeindezentrums, fügt er hinzu. Während sie auf den Mast noch warten, ist ein anderes "Nest-Zubehör" schon fertig.

"Der Nest-Unterbau, eine Art Eisengestell, wurde schon beim Schmied angefertigt und steht bei mir auf dem Hof", sagt Vorbeck.

"Das ganze Dorf freut sich immer auf die Störche", sagt Petra Züsle. Bei Klön- und Kaffeenachmittagen mit den Senioren werde sehr viel über den Rotschnabel gesprochen. "Er gehört zum Dorfbild einfach dazu", sagt Züsle. Heutzutage sei es doch noch etwas Besonderes, einen Storch im Ort zu haben.

Das ist deshalb etwas Besonderes, weil die Zahl der Brutpaare in Mecklenburg-Vorpommern seit 2004 um fast ein Drittel zurückgegangen. Laut Naturschützer seien Nahrungsmangel und der Verlust an Feuchtwiesen Schuld an dieser Entwicklung. Auch die Anzahl der Jungpaare sei den Experten zufolge im vergangenen Jahr ebenfalls erheblich zurückgegangen. 27 Prozent der Storchenpaare hat keinen Nachwuchs aufgezogen. Für den Ort Göllin trifft das (noch) nicht zu. Noch 2010 konnte Erika Tresp Jungvögel im Nest beobachten. Sie ist gebürtige Göllinerin und besitzt das Haus neben dem kaputten Nest. "Störche hat es schon in meiner Kindheit im Dorf gegeben", sagt die 76-Jährige. Der "Storchennest-Mast" neben ihrem Haus wurde 1980, dem Jahr ihrer Silberhochzeit, bereits zum zweiten Mal aufgestellt. Für Tresps war die "tierische Nachbarschaft" immer ganz natürlich. "Die Störche sind sogar durch meinen Garten gegangen", erzählt die rüstige Rentnerin.

Sie wie auch die anderen Dorfbewohner würden sich über künftigen Storchenbesuch freuen. "Ich warte jeden Tag auf einen Anruf von der Wemag", sagt Vorbeck. Er blickt voraus: In den kommenden zwei Wochen will das Energie-Unternehmen einen neuen Mast aufstellen. Gerade noch rechtzeitig vor der Storchensaison. Die beginnt in Göllin nämlich meist Ende März oder Anfang April.

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