Glücklich ohne Süßes?

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Seit sieben Wochen begleiten wir nun schon Manuela Storm und Rolf Ludwig beim Kampf gegen die überflüssigen Pfunde. Beide haben mit dem Programm "Ina" der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bereits mehrere Kilogramm abgespeckt. Aber können sie auch Süßem widerstehen?

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24. April 2009, 10:28 Uhr

"Ich hab keine Probleme mit Süßem", erklärt Rolf Ludwig ganz bestimmt. Erst jüngst hätte eine Besucherin ihn um etwas Zucker zum Kaffee gebeten - er hatte gar keinen im Haus. Scholkolade läge zwar im Schrank, aber die sei nur zum Anbieten gedacht. "Ich selbst muss keine haben", betont der Schweriner.

Anders Manuela Storm, die - wie hormonell bedingt die meisten Frauen - ab und zu einfach etwas Süßes braucht. Allerdings greift auch sie dann nicht zu Schokolade: "Kuchen war mein Favorit", sagt sie. War? "Nein, ganz verzichte ich auch jetzt nicht darauf", gesteht Manuela Storm. Einmal pro Woche gönnt sie sich nach wie vor ein Stück - "und da freue ich mich dann auch richtig drauf".

Süßes macht glücklich. Das behauptet nicht nur der Volksmund, es stimmt wirklich, weiß Simone Gladasch, die die Geschäftsstelle der DGE in Mecklenburg-Vorpommern leitet. "Kohlenhydrate in Form von Zucker und auch Stärke ,schleusen den Proteinbaustein Tryptotan ins Gehirn - und der wiederum ist Baustein für den Glücksgefühle auslösenden Botenstoff Serotonin", erläutert die Expertin.

Dick macht, was zu viel an Kalorien verzehrt wirdAuf den Löffel Zucker im Kaffee oder Tee muss darum auch während einer Diät niemand verzichten. "Denn Abnehmen soll auch Spaß machen, und nicht jedes Gramm Zucker macht dick", betont Simone Gladasch. Dick macht nur, was zusätzlich zum täglichen Kalorienbedarf verzehrt wird - egal ob in Form von Naschereien oder als dick belegtes Wurstbrot.

Kohlenhydrate - und damit auch Zucker - werden anders als Fett vom Körper sofort nach dem Verzehr für die Energiegewinnung "verbrannt". Nur was zu viel ist, wird in der Leber und in Muskeln gelagert. Sind allerdings diese Speicher gefüllt, werden die Kohlenhydrate in Fett umgewandelt und im Fettgewebe gespeichert.

Simone Gladasch schildert es bildlich: "Nach dem Verzehr von Süßigkeiten, Süßspeisen und süßen Getränken schießt der Zucker ins Blut. Der Blutzuckerspiegel steigt steil an und mit ihm die Leistung und Sättigung. Doch dieses Hoch ist nur von kurzer Dauer, denn die Energie aus einfachem Zucker ist schnell verbraucht. Der Blutzuckerspiegel sinkt und man wird müde und hungrig."

Dann muss Nachschub her - und wer greift in solch einer Situation schon zum Apfel? Sehr viel wahrscheinlicher geht der Griff erneut in die Süßigkeitentüte…

Gesunde Alternative: Obst, Gemüse, Vollkornprodukte"Mit der Energie aus Vollkorn erzeugnissen, Gemüse und Obst würde so etwas nicht passieren", betont Simone Gladasch. "Hier werden die Lebensmittel erst mal im Körper zu Zucker abgebaut und der geht danach ganz langsam ins Blut über. So bleiben die Leistung und der Blutzucker konstant bis zur nächsten offiziellen Mahlzeit - Heißhunger und Fressattacken auf Süßkram bleiben aus, und ganz nebenbei nehmen Sie auch noch Mineralstoffe und Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe zu sich - alles Dinge, die in Zucker nicht enthalten sind. Deshalb wird er auch als Lieferant leerer Kalorien bezeichnet."

Wer abnehmen will, sollte also neben dem Fett als Dickmacher Nummer 1 immer auch seinen Zuckerkonsum im Blick haben. Simone Gladaschs Tipp: "Stellen Sie sich gleich morgens ein kleines Schälchen mit Ihrer Tagesmenge an Süßem zusammen. So haben Sie immer im Blick, wie viel Sie sich noch gönnen dürfen." Denn um eine langfristige Gewichtsreduzierung zu erreichen, ziele das Programm "Ina" auch auf eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten. Die Nahrungsmenge zu kontrollieren und einzuteilen gehöre dazu.

Und noch einen weiteren Tipp gibt Simone Gladasch Manuela Storm und Rolf Ludwig: "Immer eine Notfallbox bereitstellen: Einfach ein paar mundgerechte Stücke Obst in eine luftdicht schließende Box schnibbeln, etwas Zitronensaft darüber träufeln, damit sie nicht braun werden, und ab in den Kühlschrank. Für den Fall einer Heißhunger-Attacke sind Sie so bestens gewappnet."

Auch Erfrischungsgetränke enthalten eine Menge Zucker Wo man ohne Probleme da rauf verzichten kann, sollte man Zucker immer einsparen. Das bedeutet auch, weitgehend auf Fertiggerichte zu verzichten, denn sie enthalten besonders viel Zucker. Und auch bei Getränken ist der Zuckergehalt nicht zu unterschätzen: Ein Liter Cola enthält z. B. 110 g Zucker, ebenso viel Zucker ist in einem Liter Apfelsaft enthalten, bei Apfelschorle sind es 60 g/l, bei Orangenlimonade 80 g/l und bei Orangennektar 100g/l.

Übrigens ist es ganz egal, ob man weißen Haushaltszucker, braunen Roh- oder Rohrzucker, Honig oder Sirup zum Süßen nimmt: Ernährungsphysiologisch vorteilhafter sind auch all diese vermeintlichen Alternativen nicht.

Und auch Süßstoff ist keine Lösung, betont Simone Gladasch. Denn entscheidend für den Diäterfolg ist es, den eigenen Geschmack an eine geringe Süße und an den Eigengeschmack der Lebensmittel zu gewöhnen. Alle jenen, die ihren Energiebedarf durch den täglichen Konsum größerer Zucker- und/oder Sü ßigkeitenmengen überschreiten, kann Süßstoff aber zumindest kurzzeitig dabei helfen, die Energieaufnahme zu verringern.

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