Gleiche Arbeit, weniger Verdienst

Frauen verdienen weniger als Männer, sind nur selten in Führungsetagen und auch weniger in höheren Gehaltsgruppen zu finden. Um 22 Prozent liegt der durchschnittliche Stundenlohn unter dem von Männern, so eine EU-Studie.

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09. Juni 2008, 09:50 Uhr

Potsdam/Brüssel - Das Gefälle ist in Studien- und Ausbildungsberufen gleichermaßen drastisch: Ein Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter erhält in Brandenburg monatlich im Durchschnitt 3339 Euro Gehalt gegenüber seiner gleichqualifizierten Kollegin mit 1722 Euro, rechnet zumindest die Internetseite Gehaltsvergleich.com vor. Bei Krankenpflegern/-schwestern beträgt die Differenz zwischen Mann (2275 Euro) und Frau (1762 Euro) mehr als 500 Euro, bei Diplom-Informatikern immerhin noch rund 250 Euro.

Ein Bericht der EU-Kommission stellt als bundesweite Tendenz fest: Frauen in Deutschland werden deutlich schlechter bezahlt. „In Deutschland liegt der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen um rund 22 Prozent unter dem der Männer. Damit gehört Deutschland zu den Staaten mit der größten Ungleichheit bei der Bezahlung“, sagte EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla. Nur in Estland, Zypern und in der Slowakei seien die Unterschiede noch größer oder ebenso groß. Im Durchschnitt der EU verdienten Frauen 15 Prozent weniger als Männer. Die Angaben spiegeln den Stand von 2005/2006 wieder. Spidla verwies darauf, dass das Lohngefälle umso niedriger ist, je geringer die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt sei.

Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sind Frauen überproportional von niedrigen Löhnen betroffen. Obwohl sie nur 35 Prozent der Vollzeitbeschäftigten stellten, zählten fast 60 Prozent von ihnen zu den Geringverdienern. Sie hätten zudem besonders geringe Chancen, in höhere Gehaltsstufen aufzusteigen.

Die Arbeitgebervereinigung BDA wies den Vorwurf zurück, bei den Lohnunterschieden handele es sich um eine Diskriminierung von Frauen. Die Einkommensdifferenzen ergäben sich aus Berufs-Unterbrechungen durch Erziehungszeiten, eingeschränkter Berufsauswahl und geringeren Arbeitszeiten. Um die Einkommensschere zu schließen, unterstützten viele Arbeitgeber flexible Arbeitszeitmodelle für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

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