Glamour unter der Kuppel

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24. Mai 2009, 06:59 Uhr

Natürlich wollen alle etwas von ihm: Reporter, Abgeordnete, Saaldiener. Ständig zupft ihm jemand am schwarzen Sakko. Handball-Nationaltrainer Heiner Brand ist an diesem Samstag einer der gefragtesten Männer im Foyer des Reichstages. Geduldig erfüllt der hochgewachsene 56-jährige mit dem charakteristischen Schnauzbart alle Wünsche: Ein Foto hier, ein Autogramm da - kein Problem. Doch deshalb ist er nicht hier. Brand ist Mitglied dieser 13. Bundesversammlung. Aufgestellt hat ihn die SPD. "Es macht mir Spaß", freut er sich, das Staatsoberhaupt mitwählen zu dürfen. Nur aus seinem Wahlverhalten macht er ein Geheimnis: Ob er für SPD-Kandidatin Gesine Schwan gestimmt hat, lässt er offen. Prominente in der Bundesversammlung - dass Parteien und Fraktionen berühmte Sportler, Schauspieler, Adlige, Kabarettisten oder Schriftsteller zu Wahlmännern und Wahlfrauen berufen, ist gute Tradition. So zieht alle fünf Jahre, wenn der Präsident neu gewählt wird, ein Hauch von Glanz und Glamour unter der Reichstagskuppel ein - auch jetzt wieder. Die CDU vertraute etwa auf Ex-Box-Weltmeisterin Regina Halmich und Triathlet Jan Frodeno. Die Linkspartei benannte unter anderem den sächsischen Schauspieler Uwe Steimle. In den Reihen von SPD und Grünen fanden sich dieses Mal besonders viele bekannte Gesichter - wie Handballtrainer Brand, Schriftsteller Feridun Zaimoglu oder Schauspieler Ottfried Fischer, der "Bulle von Tölz". Einzig die FDP spielte die Promi-Karte bei der Bundespräsidentenwahl dieses Mal nicht aus. Angesichts der denkbar knappen, rechnerischen Mehrheit für Horst Köhler waren Union und FDP vor allem darauf bedacht, verlässliche Wahlmänner und Wahlfrauen für sich zu gewinnen. "Keine Paradiesvögel" soll CSU-Chef Horst Seehofer bereits frühzeitig als Parole ausgegeben haben.

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