Giftfische lauern in der Ostsee

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20. August 2008, 08:35 Uhr

Neukloster/Rostock - An den ungewöhnlichen Fisch an seiner Angel erinnert sich Hans Uwe Börner, als wenn es gestern war. „Ich dachte noch, wat dat wohl ist, mit so vielen aufgerichteten Stacheln. Richtig aggressiv sah der aus“, beschreibt der 56-jährige Mecklenburger seinen Fang vor knapp einem Jahr in der Wismarbucht. Ein Petermännchen hatte angebissen – ein Giftfisch, den es eigentlich in der Ostsee gar nicht geben sollte. Der versierte Angler verhielt sich zwar vorsichtig, dennoch verletzte er sich an den Stacheln. Es folgten Lähmungen und Schmerzen, das Taubheitsgefühl quält Börner noch heute.

„Am Ringfinger der rechten Hand hat er mich erwischt. Ich hab erst nur einen kleinen Blutstropfen gesehen, ein paar Minuten später wurde mir übel und mein ganzer Arm schwoll an, aber wie“, erzählt Börner.

Biologe Helmut Winkler erklärt, wo die Giftdrüsen des Fisches sitzen: an der Wurzel der Seiten- und Rückenflosse. Die spanne der Fisch bei Gefahr wie einen Fächer auf, „deshalb hat er auch den Namen Drachenfisch“. Dass der Fisch in der Ostsee beobachtet wird, sei ungewöhnlich. Eigentlich seien seine Gebiete das Mittelmeer, der Atlantik bis hoch vor Norwegen.“ Dass es sich aber lediglich um ein eingeschlepptes Exemplar handele, glaubt der Wissenschaftler nicht. „Es gibt zunehmend Meldungen von der Südküste Schwedens, dort haben Behörden sogar schon Badende gewarnt.“ Das Gemeine am Petermännchen ist nämlich, dass er sich im Sommer mit Vorliebe an seichten Ufern im Sand eingräbt. Nur die Augen sind dann noch zu sehen. Wer auf ihn tritt, erlebt dasselbe Fiasko wie Hans Uwe Börner.

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