Giftalarm im Goethe-Gymnasium

Über Monate klagten Lehrer und Musikschüler am Goethe-Gymnasium über Kopfschmerzen und Reizungen der Schleimhäute. Jetzt zeigt ein Gutachten: Toxikologische Grenzwerte in der Luft waren zum Teil dreifach überschritten. Seit Schuljahresbeginn ist der Musikpavillon gesperrt. Für die notwendige Sanierung sucht die Stadt nun Geld – bis zu 200 000 Euro.

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12. September 2008, 08:11 Uhr

Schwerin - Laut Schul- und Finanzdezernent Dieter Niesen bestand trotz der teilweise erheblichen Grenzwertüberschreitung, die die gutachterliche Raumluftmessung ergeben habe, zu keiner Zeit eine Gesundheitsgefährdung für Lehrer und die fast 300 Musikschüler des Goethe-Gymnasiums, das derzeit mehr als 700 Kinder und Jugendliche besuchen. Nachdem Ende November vergangenen Jahres erste Meldungen über „geruchliche Auffälligkeiten“ der Stadt gemeldet wurden, begaben sich Schulamt und das Zentrale Gebäudemanagement der Stadt (ZGM) auf Ursachensuche. „Wir haben die Gründe zuerst in der erfolgten Sanierung vermutet und Wandfarben sowie Klebstoffe für Linoleum und Teppichboden im Musikpavillon untersucht“, berichtet ZGM-Chefin Kerstin Schmidt.

Doch erst eine Kernbohrung diesen Sommer brachte Aufschluss: Eine dämmende Teerpappe zwischen Bodenplatte und Estrich hat sich seit der Einbringung vor fast 40 Jahren zersetzt und reagierte chemisch. „Bislang hatte der Estrich alles abgehalten, nun traten die Stoffe Stück für Stück aus in die Luft“, so Schmidt. Die Stadt reagierte sofort und sperrte den Musikpavillon mit seinen 13 Räumen für klassenweisen und individuellen Musikunterricht. Wie notwendig die Entscheidung war, zeigt das jetzt vorliegende Gutachten: Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Terpene, Esther, Ketone setzten sich in die Raumluft in solcher Masse ab, das in zwei der Unterrichtsräume die toxischen Messergebnisse dreimal höher waren als der gesetzlich vorgegebene Grenzwert.

Seit Schuljahresbeginn müssen die Musikschüler nun wieder in die maroden Container ausweichen und im Hauptgebäude noch enger zusammenrücken. Die Unterrichtsbedingungen verschlechtern sich damit rapide. Das weiß auch der Dezernent. „Bis zum Jahresende wollen wir den Musikpavillon sanieren“, sagt Niesen. Angesichts der städtischen Finanzsituation müsse dafür woanders gespart werden. „Das ist eine Notsituation, die Vorrang hat“, machte Niesen deutlich. Ohne Kenntnis der Baugutachten rechnet der Dezernent mit Kosten von „100 bis 200 000 Euro“. Derzeit werde ein Sanierungskonzept erarbeitet.

In wie vielen bauartähnlichen Schweriner Schulen noch giftige Teerpappe unter dem Estrich schlummert, konnte die Stadt gestern noch nicht sagen. „Wir sind aber mit allen Schulleitern in Kontakt“, sagte Schmidt. „Beim kleinsten Verdacht werden wir die Werte messen.“

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