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In Schwerin wurde Chrom 6 gefunden : Gift sickert ins Grundwasser

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Umweltprobleme in der Schelfstadt: Der Boden an der alten Galvanik zwischen Puschkin- und Münzstraße ist teilweise stark verseucht. "Wir haben dort Chrom 6 gefunden", sagt Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff.

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erstellt am 26.Jul.2011 | 04:08 Uhr

Schelfstadt | Umweltprobleme in der Schelfstadt: Der Boden an der alten Galvanik zwischen Puschkin- und Münzstraße ist teilweise stark verseucht. "Wir haben dort Chrom 6 gefunden", sagt Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff. "An einigen Stellen ist es bereits vier bis fünf Meter in den Boden gesickert und in die grundwasserführenden Schichten gelangt." Obwohl das Wasser in diesem Bereich sehr langsam fließe und die so genannte "Fahne" ständig beobachtet wird, will die Stadt womöglich noch in diesem, spätestens aber im nächsten Jahr mit der Säuberung des Wassers beginnen. Weitere Sicherungsmaßnahmen auf dem Gelände sind schon für die nächsten Wochen geplant. "Diese Sanierung wird uns einen sechsstelligen Betrag kosten", so Friedersdorff. Der Baudezernent rechnet mit Kosten in Höhe von rund einer halben Millionen Euro. Eine unmittelbare Gefährdung für die Bevölkerung bestehe allerdings nicht. Das Grundstück selbst ist durch Zäune gesichert, das Grundwasser habe man stets im Blick. "Weil wir für ganz Schwerin nur zwei Entnahmestellen haben, nämlich im Nuddelbach und in Pinnow, achten wir immer sehr auf die Qualität", so Friedersdorff. "Niemand muss sich wegen der Kontaminierung auf dem Galvanik-Gelände Sorgen machen."

Chrom 6 ist ein gängiges Mittel in der Galvanotechnik oder auch in Holzschutzmitteln. Es ist allerdings sehr gefährlich: Chrom 6-oxid, wie es der Fachmann nennt, ist brandfördernd und erhöht die Feuergefahr bei Berührung mit brennbaren Stoffen. Es ist sehr giftig und gilt sowohl als erbgutverändernd und krebserregend. Beim Verschlucken sind Verdauungsstörungen, Nierenschäden, Krämpfe und Lähmungen die Folge. Bereits 0,6 Gramm können tödlich sein.

In Nachkriegszeiten wurde auf dem Grundstück Puschkinstraße 20, neben einer Bäckerei der VEB Galvanik angesiedelt. Er war dort bis zur Wende in Betrieb. "Das gesamte Grundstück gehörte anschließend einem Privatmann, der allerdings in Insolvenz ging", so Friedersdorff. Dass auf dem Gelände Gift ins Erdreich drang, war bekannt, eine Sanierung konnte sich der Eigentümer allerdings nicht leisten. Hätte die Stadt eine so genannte Ersatzvornahme gemacht, also die Sanierung auf eigene Kosten eingeleitet und sie dann dem Eigentümer in Rechnung gestellt, hätte man das Geld höchstwahrscheinlich nie gesehen, so Friedersdorff. Also entschied sich Schwerin vor einigen Jahren, das Gelände zu kaufen, um handeln zu können. "Die erste Untersuchung gaben wir 2008 in Auftrage. Die Schäden waren allerdings viel größer als wir vermutet hatten." Die alten Gebäude und Leitungssystem sind mittlerweile sonderentsorgt, letzte Gefahr droht nun nur noch aus dem Boden.

Eine ingenieurtechnische Lösung zur Wasserreinigung sei in Auftrag gegeben, Fördermittel seien beantragt, so Friedersdorff. Einige Sorgen machen ihm nur mögliche illegale Brunnen in der Nachbarschaft. Würden die nämlich jetzt Wasser aus der verscheuchten "Fahne" abzapfen, würden sie für eine schnellere Bewegung des Wassers sorgen und das wiederum würde alle aktuellen Messungen und technischen Sanierungs-Lösungen durcheinanderbringen.

Der Ortsbeirat Schelfstadt ist über das Problem informiert, auch die Nachbarn rund um die Galvanik wüssten Bescheid, so der Baudezernent. Reststoffe, die kurz unter der Erdoberfläche lagern, könnten professionell abgedeckt und so am Weiterwandern gehindert werden. Das soll demnächst geschehen.

Mit Bodenkontaminierungen in Grundwassernähe hat die Stadt übrigens schon reichlich Erfahrung. Vor allem an alten Militäranlagen und chemischen Reinigungen sei das Erdreich zum Teil stark verschmutzt, so Friedersdorff. Mehrere Wasseraufbereitungsanlagen stehen deshalb auf dem Weg an die Entnahmestellen.

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