Gewohntes anders machen

Marco Röhrs auf der Terrasse des Hotelrestaurants in Bad Wilsnack. „Ich bin einer, der nicht auf die Uhr schaut und sich auch für einfachste Handgriffe nicht zu schade ist“, sagt er von sich selbst. Foto:Birgit Hamann
Marco Röhrs auf der Terrasse des Hotelrestaurants in Bad Wilsnack. „Ich bin einer, der nicht auf die Uhr schaut und sich auch für einfachste Handgriffe nicht zu schade ist“, sagt er von sich selbst. Foto:Birgit Hamann

Mit dem Hessen Marco Röhrs macht ein ruheloser, welterfahrener Koch Station in der Prignitz, und zwar in der Küche des Hotels „ambiente“ in Bad Wilsnack. Seit 1. September leitet er dort die Geschicke, hat auch Ideen, die er behutsam umsetzen möchte.

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11. September 2008, 07:23 Uhr

Bad Wilsnack - „Irgendwann muss man mal bleiben.“ Der das sagt, reiste in den vergangenen Jahren durch Deutschland, Europa und die Welt, um in möglichst viele andere Kochtöpfe zu schauen und dabei möglichst viel zu lernen. So richtig mag man es Marco Röhrs nicht glauben, dass er nun ausgerechnet in der Prignitz sesshaft werden möchte. Aber: Er ist wild entschlossen. „Mindestens ein Jahr muss man so eine Küche führen, sonst hat es wenig Sinn“, sagt der 33-Jährige.

Der neue Chefkoch des Hotels „ambiente“ trat seinen Job am 1. September an, schnupperte aber zuvor bereits in das Unternehmen hinein. Denn die „ambiente“-Gruppe betreibt unter anderem auch noch ein Hotel in Hohnstein in der Sächsischen Schweiz. Dort arbeitete er von Mai bis August dieses Jahres.

Hotel, Schiff, Privatkoch
Und davor? Ausbildung bei „Mercure“ in Wetzlar, Kreuzfahrtschiff, Wintersaisonzeiten in der Schweiz und in Österreich, Privatkoch bei einem Spitzensportler, eigenes Restaurant bei Gießen, „Gastspiele“ bei Berufskollegen, bei denen er diverse Neueröffnungen begleitete.

Und auch an einem Stern kochte Marco Röhrs mit: in einem kleinen, privat geführten Hotelrestaurant in Hessen. Zuletzt leitete er anderthalb Jahre lang die Küche des Schlosshotels Kromberg im Taunus.
Zu seinem Beruf kam Marco Röhrs so ähnlich wie die Jungfrau zum Kinde: „Für die Raumfahrt hat es nicht gereicht “, begründet der junge Mann seine Wahl mit einem Augenzwinkern. Familiär sei er in keiner Weise gastronomisch „vorbelastet“. Wenn zu Hause gekocht wird, stehe aber schon er am Herd, sagt Marco Röhrs. Dann gibt es aber auf keinen Fall etwas Aufwändiges, am liebsten mag es Röhrs ganz rustikal, „wie bei der Oma.“ Obwohl: „Am liebsten gehen wir eigentlich essen“, erzählt der Koch.

Die Auslastung spricht für sich
Was schwebt ihm in der Restaurantküche des „ambiente“ vor? Er werde nicht nach dem Motto verfahren, neue Besen kehren gut, verdeutlicht der Hesse. Bewährtes werde fortgeführt, Neuerungen behutsam eingebracht. Die Auslastung des Hauses spreche schließlich für sich, sagt Röhrs.

Wofür er aber auf jeden Fall plädiere, ist, Gewohntes anders zu machen. Ein simples Schnitzel zum Beispiel können man auf sehr verschiedene Weise panieren und präsentieren. Entsprechende Inspirationen, natürlich auch für viele andere Gerichte, holte sich Röhrs in seinen „Wanderjahren“. Allerdings ist er auch Realist genug, um zu wissen: „Was dort gut läuft, muss es hier nicht zwangsläufig.“ Wichtig ist ihm überdies, mehr Produkte aus der Region einzusetzen, zum Beispiel Bio-Erzeugnisse. Die allerdings dürften nur von zertifizierten Betrieben kommen.

Was Marco Röhrs indes für Bad Wilsnack völlig ausschließt, ist, dass das Restaurant in naher Zukunft einen oder mehrere Sterne „erkocht“. Nicht wegen des Unvermögens der Mitarbeiter, sondern „weil das in dieser Region überhaupt nicht funktionieren würde. Dafür ist die Klientel einfach viel zu klein.“

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