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Bürgerforum in Lübtheen : Getreide kommt zuerst auf den Teller

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Getreide für den Teller oder den Tank - das Thema versprach Spannung. Die für das Bürgerforum in Lübtheen eingeplanten Stühle reichten nicht. Das Interesse am heiß diskutierten Thema war groß.

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erstellt am 25.Mär.2011 | 10:41 Uhr

Getreide für den Teller oder den Tank - das Thema versprach Spannung. Die für das Bürgerforum am Mittwoch abend im Hotel Behrend in Lübtheen eingeplanten Stühle reichten nicht. Es mussten weitere nachgeholt werden. Das Interesse am heiß diskutierten Thema, zu dem die Friedrich-Ebert-Stiftung eingeladen hatte, war groß: "Getreide für das Brot oder den Tank - Verhältnis zwischen Nahrungsmitteln und Biokraftstoff". Als Referent kam Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. Aufmerksame und teils auch kritische Zuhörer waren Landwirte, Geschäftsführer von landwirtschaftlichen Unternehmen, Tierärzte, Bürgermeister, Bäcker, Förster, Lebensmittelkontrolleure, Bürger der Region und dem weiteren Umfeld.

Von den schwerwiegenden aktuellen Ereignissen um das Atom-Wrack in Fukushima ausgehend fiel dem Minister der Einstieg in die Problematik nicht schwer. Außerdem, so bestätigte er, habe er sich schon lange vor der Katastrophe in Japan für das Thema beim Bürgerforum in Lübtheen entschieden.

Nicht zuletzt auch auf Grund der dramatischen Ereignisse in Japan, gelang es Till Backhaus, den Teilnehmern des Forums den in MV erfolgreich eingeschlagenen Weg zu den erneuerbaren Energien recht überzeugend darzulegen.

Für ihn steht fest: "Ein Ausstieg aus der Kernenergie ist möglich… Diese Energieform ist ohne Perspektive. Es muss nach Alternativen gesucht werden… Die Naturkatastrophe hat uns gezeigt, wir sind am Scheideweg. Zum einen müssen wir bei Energie sparen, sparen und nochmals sparen und zum anderen verstärkt die erneuerbaren Energien nutzen."

Er belegte es mit Zahlen: In Bezug auf den Energieverbrauch in Deutschland nehme die Kernenergie elf Prozent ein, die erneuerbaren Energien in Deutschland zehn Prozent. Dabei habe Mecklenburg-Vorpommern, wie er nicht ohne Stolz unterstrich, im Verhältnis schon 15 Prozent der erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch in MV erreicht. Windkraft und Biomasse hätten dabei einen hohen Stellenwert, ebenso die Sonne, die Wasserreserven und die Erdwärme, die zum Beispiel schon in Neustadt-Glewe und Neubrandenburg genutzt werden.

Die Frage nach dem Teller oder Tank, so Backhaus, ist in MV nicht das Problem. Die erste Priorität habe in jedem Fall die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und die Produktion von Futtermitteln, trotzdem hat die stoffliche und energetische Nutzung von Biomasse ein Potenzial, ohne die Lebensmittelversorgung zu gefährden. Beides seien Grundbedürfnisse der Menschen - die Nahrung und die Energie. "Ein Drittel der Ackerfläche in MV könnte für die Biomasseproduktion genutzt werden, ohne die Produktion von Nahrungs- und Futtermittel zu gefährden", ist der Minister überzeugt. Gegenwärtig werden etwa 18 Prozent der Ackerfläche für die Bioenergie genutzt.

"Klar bringe die Umstellung und der weitere Ausbau der erneuerbaren Energie auch Probleme mit sich", wusste der Minister, was auch in der anschließenden Diskussion deutlich wurde. So stand zum Beispiel die Frage im Raum, wie viel Biogasanlagen verträgt die Landwirtschaft noch?

In MV, so antwortete der Minister, gibt es gegenwärtig 5228 landwirtschaftliche Unternehmen und 280 Bio gasanlagen. In Zukunft, so versicherte er, werde es nur noch Zulassungen für weitere Anlagen geben, wenn es eine Kraft-Wärme-Koppelung gibt. "Ohne die Teilhabe und das Verständnis der Bevölkerung wird es aber auch nicht gehen", ist er überzeugt.

Kritik wurde auch laut, dass Betriebe für den Bau neuer Biogasanlagen Milchviehanlagen stilllegen bzw. reduzierten.

"Die Herausforderung in den nächsten Jahren", so Backhaus, "ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Energie und die Anpassung an den Klimawandel und den Klimaschutz. Die Folge wird eine erhebliche Änderung der Lebensgewohnheiten in weiten Teilen der Erde sein", so der Minister für Landwirtschaft.

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