Gesundes Selbstbewusstsein

Das Kreiskrankenhaus sei weder von einer Schließung bedroht, noch will der Geschäftsführer von einer Fließbandmedizin in seinem Haus sprechen – reagieren Klinikleitung und Landkreis auf die in dieser Woche angekündigte Milliardenfinanzspritze der Bundesregierung.

svz.de von
26. September 2008, 09:13 Uhr

Prignitz - Um acht Prozent steigen 2009 die Gehälter für das Klinikpersonal. Die in diesem Jahr enorm angezogenen Energie- und Lebensmittelpreise spüren Krankenhäuser ebenfalls. Da seien die angekündigten 3,2 Milliarden Euro ein richtiges Signal, sagte Geschäftsführer Wolfgang Korzen in Richtung Bund und gesetzliche Krankenkassen.

„Sie haben das Problem erkannt“, so Korzen. Die Kritik vieler Kliniken und Ärzte, dass dieses Finanzpaket nicht ausreiche, teile er ebenfalls. Sicherlich würden auch Häuser schließen müssen, „aber für das unserige sehe ich keine Gefahr“, betont der Geschäftsführer auf Nachfrage unserer Redaktion.
Seit Jahren arbeite das Kreiskrankenhaus an einer Verbesserung der Effizienz. Der Prozess begann bereits mit Zusammenlegung der Häuser Wittenberge und Perleberg, habe sich seitdem konstant fortgesetzt, „so dass wir heute gut aufgestellt sind, uns in einer wirtschaftlich stabilen Lage befinden“, unterstreicht Korzen.

Investitionen nahezu ohne Kredite
Belegbar sei das mit getätigten Investitionen, zum Beispiel in modernste medizinische Geräte, wie dem Ultraschall zur Herzuntersuchung. Noch in diesem Jahr komme der Herzkatheter dazu. Korzen verweist aber auch auf die Neubauten Altenheim und Gesundheitszentrum Wittenberge sowie das kürzliche eröffnete Pflegeheim in Perleberg oder die neue Boden-Rettungswache.

„Diese Investitionen haben wir größtenteils mit eigenen Mitteln realisiert, für Wittenberge war ein Kredit von etwa vier Millionen Euro notwendig, weniger als die Hälfte der Gesamtsumme“, sagt Korzen. Torsten Uhe als zweiter Beigeordneter des Landrates ergänzt: „In den vergangenen Jahren gab es stets Gewinne, die neu investiert werden konnten.“ Auch für dieses Jahr werde ein Überschuss erwartet. Der Landkreis ist alleiniger Gesellschafter der Kreiskrankenhaus gGmbH.

Mehr Patienten, kürzere Verweildauer
Der Kostendruck sei über Jahre hinweg gewachsen. Durch die Einführung des sogenannten DRG-Systems werde konkret nach Fallzahlen abgerechnet. Stetig sei die Verweildauer der Patienten im Haus gesunken, bei gleichzeitigem Anstieg der Fallzahlen. Lag beispielsweise früher ein Patient nach einer Blindarm-OP etwa zehn Tage im Krankenhaus, seien es heute fünf. Durch Personalabbau habe sich die Arbeitsintensität der Ärzte und Schwestern natürlich erhöht, räumt Korzen ein, „ich spreche aber nicht von einer Fließbandmedizin.“

Das Perleberger Haus sei für die Zukunft gerüstet. „Uns ist klar, dass wir in einem Verteilungswettbewerb leben“, sagt Korzen. Ziel sei es, Patienten zu gewinnen. Modernste Technik sein ein Beitrag dazu, qualitativ gute Arbeit und motivierte Mitarbeiter seien weitere Aspekte.
Die künftige Entwicklung der Krankenhäuser werde maßgeblich durch den demographischen Wandel bestimmt. Zwar nehme die Bevölkerung ab, aber durch die gestiegene Lebenserwartung steige die Zahl der Patienten. Eine Studie der Universitäten Rostock und Greifswald kommt zu dem Schluss, dass der durch die Politik forcierte Bettenabbau falsch sei. Künftig würden trotz des Bevölkerungrückgangs wieder mehr Betten und Ärzte benötigt.

Bettenzahl sinkt nur geringfügig

In Brandenburg gab es 1989 noch 73 Krakenhäuser, derzeit sind es 53. Die Bettenzahl sank von einst 960 auf 100 000 Einwohner auf jetzt 630 Betten. Der vor wenigen Wochen verabschiedete Krankenhausplan des Landes Brandenburg reagierte bereits auf die Entwicklung, meint Torsten Uhe. Ursprünglich sah er landesweit einen Abbau von 1000 Betten vor, am Ende sollten es nur knapp 200 sein. „Es wurde umgeschichtet“, erklärt Uhe. Reduzierung der Betten auf Entbindungs- und Kinderstationen, eine Aufstockung in Bereichen der klassischen Altersmedizin.

Uhe und Korzen sind überzeugt, dass die Sparpolitik im Gesundheitswesen nicht dauerhaft fortgesetzt werden könne, wenn eine medizinische Versorgung flächendeckend vorgehalten werden soll. Erste Anzeichen dafür gibt es ebenfalls seit dieser Woche. Ab 2011 werden die Klinikbudgets verändert, kündigte das Bundesgesundheitsministerium an.

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