In Neubrandenburg wird Eiweiß aus der Futterpflanze gewonnen : Gesünder essen mit Lupine

Kein bisschen blau und gesund:  das  Eiweiß aus  der Blauen Lupine. U. Zander
Kein bisschen blau und gesund: das Eiweiß aus der Blauen Lupine. U. Zander

Pflanzliches Eiweiß aus der Blauen Lupine soll künftig für gesündere Lebensmittel und eine gentechnikfreie europäische Agrar- und Ernährungswirtschaft sorgen.

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07. Dezember 2010, 12:02 Uhr

Dazu wurde gestern im Zentrum für Lebensmitteltechnologie in Neubrandenburg eine Pilotanlage zur Gewinnung von Proteinen aus der Pflanze vorgestellt.

Das auf zwei Jahre angelegte Forschungsprojekt unter dem Dach des Verbundes BioCon Valley kostet rund 6,1 Millionen Euro und wird mit 4,2 Millionen Euro vom Bund bezuschusst. In der Anlage arbeiten unter anderem das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik Freising (Bayern) und mehrere Ernährungsfirmen zusammen.

"Das Eiweiß der Lupine ist im Gegensatz zur Sojabohne geschmacksneutral und hat damit ein deutlich größeres Einsatzspektrum als Soja", sagte Gerhard Kloth vom Fraunhofer-Institut. Das Protein werde bereits bei Speiseeis eingesetzt, künftig wollten auch Backfirmen, Nudelhersteller, Fleischverarbeiter und Mayonnaiseproduzenten damit arbeiten und rein pflanzliche Lebensmittel entwickeln. So könnten unter anderem Menschen mit bestimmten Allergien, wie gegen Milcheiweiß, auf Hilfe hoffen. Laut Kloth ist das Lupinen-Protein außerdem cholesterinsenkend und glutenfrei. Bei der in Amerika angebauten Sojapflanze ist Kloth zufolge nicht mehr zu kontrollieren, inwieweit Gentechnik eingesetzt wird.

Kernstück der Pilotanlage ist ein sogenannter Dekander, in dem die Feststoffe der zuvor eingeweichten Lupinenfrucht von flüssigen Zusatzstoffen getrennt werden und daraus das Eiweiß gewonnen wird. Das Protein kann dann in Nahrungsmitteln verarbeitet werden. Wie der Leiter des Lebensmittel-Technologiezentrums, Holger Gniffke, erklärte, ist die CO2-Bilanz bei Anbau und Gewinnung der Lupine 20-mal besser als bei tierischen Eiweißen.

Seit Mitte der 90-er Jahre wird in Deutschland einzig die Blaue Lupine als Futterpflanze für Tiere genutzt. In diesem Jahr wurden bundesweit 27 000 Hektar mit der Pflanze bebaut. Der Eiweißlieferant ist vor allem auf den Feldern Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns zu finden - 94 Prozent der angebauten Menge entfallen auf beide Bundesländer. Die Pflanze gedeiht auf sandigen, wenig ertragreichen Böden. An dem Projekt ist die einzige europäische Forschungseinrichtung für diese Lupinensorte - die Saatzucht Steinach GmbH mit Sitz in Bocksee (Müritzkreis) - beteiligt. Zusammen mit einem Forschungsinstitut bei Rostock sollen neue Lupinensorten mit höheren Erträgen gezüchtet werden.

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