Gestern Schnee, morgen Strand

Wann wird es endlich Frühling? Jetzt! Nachdem der Winter vielerorts Hügel in wintersportliche Rodelpisten und Straßen in gefährliche Rutschbahnen verwandelt hatte, setzt Petrus zum Temperatursprung an: Bis zu 15 Grad und Sonne sind im Anmarsch. Nicht nur der April weiß eben nicht, was er will. Ganz im Zeichen von Wetterkapriolen steht derzeit Hamburg. Seit gestern tagen 700 Wissenschaftler auf dem Extremwetterkongress. Bis morgen diskutieren sie über den Klimawandel, seine Folgen und neue Modelle für die Wettervorhersage. Sylvia Parton ist einigen Ansätzen nachgegangen.

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27. März 2008, 08:17 Uhr

Warum treffen sich Experten auf dem Wetterkongress?
Extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Hurrikanes oder Dürreperioden nehmen in Folge des Klimawandels zu. Sie gehören zu den größten Herausforderungen und volkswirtschaftlichen Risiken durch den Klimawandel. Der Kongress bündelt einmal im Jahr den wissenschaftlichen Stand der Dinge, stellt Ergebnisse erstmalig vor. Die Vorträge zeigen die Ursachen extremen Wetters, dessen Vorhersage und Erwartungen für die Zukunft auf. In diesem Jahr haben sich mehr als 700 Teilnehmer angesagt. Das dreitägige Treffen gilt als größter Kongress in Europa zu diesem Themenkomplex, so der Veranstalter, das Institut für Wetter- und Klimakommunikation.

Wie verteilt sich der Klimawandel regional?
„Die Auswirkungen sind regional sehr unterschiedlich verteilt“, sagt Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. So werde in Norddeutschland „in besonderem Maße“ ein allgemeiner Temperaturanstieg zu verzeichnen sein. Für Mittel- und Südwestdeutschland werden extreme Niederschläge im Herbst und Winter vorhergesagt. In Süd- und Ostdeutschland werde dagegen die Gefahr von Dürreperioden steigen.

Welche Klimagefahren sehen Experten für Deutschland?
Landwirtschaft: Heiße, trockene Sommer werden vor allem der Land- und Forstwirtschaft zu schaffen machen, prognostiziert das DIW. So werde Wassermangel die Wachstumsbedingungen verschlechtern. Einhergehend mit milden Wintern finden Schädlinge optimale Lebensbedingungen. Die Folge: Ernteausfälle. Die Forstwirtschaft müsse sich indes auf erhöhte Waldbrandgefahr einstellen. Das DIW hält zudem Waldumbauprogramme für unausweichlich: Weg von Monokulturen, hin zu Mischwäldern, da diese resistenter gegen Klimaschwankungen seien. Alles in allem werde vor allem die Land- und Forstwirtschaft in Südwestdeutschland mit Wasserknappheit rechnen müssen, sagt Umweltökonomie-Professorin Kemfert.

Energiewirtschaft: Während extremer Hitzeperioden wird in einigen Flüssen nicht mehr genügend Wasser vorhanden sein, um Kraftwerke ausreichend mit Kühlwasser zu versorgen. Da Kohle- und Atomkraftwerke bundesweit im Einsatz sind, könnten sich mögliche Stromausfälle auf alle Bundesländer erstrecken.

Gesundheitssektor: Mit steigenden Temperaturen können auch in unseren Breiten Krankheiten auftreten, die bisher ausschließlich in tropischen oder subtropischen Gebieten vorkommen, beispielsweise Malaria.

Tourismusbranche: Steigt die Temperatur bis zum Jahre 2100 um bis zu 4,5 Grad Celsius, werden, so das DIW, sämtliche Skigebiete schneefrei sein. Gleichzeitig geht das Institut davon aus, dass der Tourismus an Nord- und Ostsee zunehmen werde.

Lassen sich extreme Ereignisse vorhersehen?

Nachdem der Deutsche Wetterdienst seit wenigen Wochen monatlich Jahreszeitenvorhersagen für Deutschland herausgibt, testet er nun in einem Pilotprojekt mit der „Aktion Deutschland hilft“ auch die weltweite Einsatzmöglichkeit. Die mehrmonatigen Trendaussagen sollen Anhaltspunkte zur Entwicklung von Temperaturen und Niederschlag liefern.
So sollen bis zu sechs Monate im Voraus Regionen erkannt werden, in denen beispielsweise ungewöhnlich hohe oder niedrige Niederschläge oder hohe Temperaturanomalien erwartet werden. Dies lasse Rückschlüsse über Risiken von Überschwemmungen, Dürren oder Hitzewellen zu. Dr. Paul Becker vom Deutschen Wetterdienst betont allerdings: Einzelne, konkrete extreme Wetterlagen ließen sich damit nicht vorhersagen. Ziel sei es vielmehr, die Hilfsorganisationen bei ihrer Einsatzplanung zu unterstützen, damit im Fall der Fälle in Krisengebieten zügig Hilfe eingeleitet werden kann. Allein im vergangenen Jahr seien bei Überschwemmungen, Erdbeben, Dürren, Waldbränden und Wirbelstürmen mehr als 20 000 Menschen ums Leben gekommen, rechnete Manuela Roßbach von der „Aktion Deutschland hilft“ vor. Eine frühzeitige Katastrophenschutzvorsorge werde daher immer bedeutsamer.

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