Gestank den Kampf angesagt - Biodieselanlage ecoMotion gab Gutachten in Auftrag

„In dieser Anschauungsreihe sind alle Produkte, die bei der Rapsverarbeitung entstehen, dargestellt“, erklärt Axel Becker. Foto: Evelyn Bubber-Menzel
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„In dieser Anschauungsreihe sind alle Produkte, die bei der Rapsverarbeitung entstehen, dargestellt“, erklärt Axel Becker. Foto: Evelyn Bubber-Menzel

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28. August 2008, 08:32 Uhr

Sternberg - „ecoMotion, du stinkst mich an!“ hatte gerade erst jemand auf eine Karte geschrieben, die er an unsere Redaktion schickte. Und wenn diese auch anonym war und als solche gleich in den Papierkorb wanderte, so zeigte sie doch, dass das Thema nach wie vor rumort in der Bevölkerung.

„Durch so etwas Druck machen zu wollen, hilft gar nichts“, meint dazu Bürgermeister Jochen Quandt. „Denn es wird ja sehr intensiv an einer Lösung des Problems gearbeitet Und zwar von der Konzernspitze bis zu den Mitarbeitern vor Ort zusammen mit der Stadt.“ Mehr könne man nicht tun. Aber übers Knie brechen ließe sich hierbei nun mal nichts.

Überall das Gleiche
Nicht nur die Sternberger, sondern alle in den letzten Jahren neu entstandenen Biodieselanlagen haben dieses Geruchsproblem. Deshalb suchen auch alle gemeinsam nach einer Lösung – bisher jedoch noch ohne Erfolg.

„Unser Unternehmen hat für 80 000 Euro ein Gutachten in Auftrag gegeben, das herausfinden soll, welche der derzeit untersuchten Methoden zur Geruchsminderung sich für den Sternberger Standort eignet“, bekräftigt Axel Becker, Geschäftsführer der Biodieselanlage ecoMotion in Sternberg.

Doch brauche es „noch etwas Geduld“, bis die Ergebnisse des Gutachtens vorliegen, meint Bürgermeister Jochen Quandt. „Wir hoffen, dass wir das Gutachten im September erhalten“, so Axel Becker. Aber ob dies dann eine positive Lösung für Sternberg bringt, sei natürlich auch noch offen, daraus macht er kein Hehl.

Auf jeden Fall versuche das Unternehmen, alles, was derzeit technologisch möglich ist, auszuloten, um das Problem in den Griff zu bekommen, versichert er. Und dabei würden keine Kosten gescheut.

Produktion in vollem Gange
Während also auf dieser Strecke weiterhin gekämpft wird, ist die Produktion in dem Unternehmen in vollem Gange.

Rund um die Uhr wird aus dem Raps, der jetzt aus den Landwirtschaftsbetrieben frisch angeliefert wird, in der riesigen Anlage das Öl gewonnen und zu Bidodiesel verarbeitet. „Der Raps hat in diesem Jahr einen Ölgehalt von 43 Prozent, das ist gut“ , schätzt Becker ein.

„Unsere Anlage ist zurzeit zu 90 Prozent ausgelastet. Wir produzieren täglich 200 Tonnen Öl und 300 Tonnen Biodiesel“, sagt der Geschäftsführer, dessen vorrangige Aufgabe es ist, dass die Produktion an dem Standort läuft und der froh ist, dass der Absatz auch künftig gesichert ist.

Da ab nächstem Jahr durch höhere Besteuerung von Biodiesel und andere Faktoren mit sinkendem Absatz in Deutschland zu rechnen ist, setzt das Unternehmen auf verstärkten Export in Richtung Frankreich.

Bei alle dem verliert Becker das Geruchs-Problem, das viele Sternberger so ärgert, nicht aus dem Auge. „Der Geruch entsteht beim Abkühlen des erhitzten Rapses von 95 auf rund 25 Grad“, so Becker. Die dabei anfallenden Gase werden durch einen 20 Meter hohen Schornstein abgeleitet.

„Bei Tiefdruckwetter und tief hängenden Wolken kann sich die austretende Luft nicht verteilen, sie hängt sozusagen unter den Wolken und kann nicht abziehen“, sagt Becker. „Und bei Süd-West-Wind wird der Geruch dann in Richtung Neubaugebiet oder bei anderem Wetter in andere Richtungen getragen.“

Am vielversprechendsten von allen bisher untersuchten Methoden zur Geruchsbekämpfung erscheint zurzeit ein „Biobeetverfahren“. Dabei wird die Abluft aus dem Rapskuchenkühler (Rapskuchen ist das, was nach dem Auspressen des Rapses übrig bleibt) durch ein Beet mit verschiedenen Wurzelbestandteilen geleitet.

Die darin befindlichen Bakterien nehmen die Geruchsstoffe als ihre Nahrung auf, wodurch die Gerüche dann gebunden werden. „Wir brauchten ein Beet von 400 bis 500 Quadratmeter“, schätzt Becker. Das würde dann so an die 300 0000 Euro kosten. „Doch daran würde es nicht scheitern“, weiß der Geschäftsführer aus der Konzernleitung.

Ob so ein Beet aber überhaupt für Sternberg die Lösung wäre, bleibt abzuwarten. Und ein weiteres Problem. „Das Biobeet hat einen Eigengeruch.“

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