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18. Dezember 2017 | 08:09 Uhr

Geschichten aus dem Wohnmobil

vom

svz.de von
erstellt am 24.Mai.2010 | 04:31 Uhr

Wittenberge | Wenn einer eine Reise macht, dann kann er viel erzählen. Grund genug für den "Prignitzer", hinter die Blechfassade einiger der mehr als 50 Wohnmobile zu schauen, die über Pfingsten im Nedwighafen Station machten. Dabei sind drei Typen von Motorhomern aufgefallen.

Der Organisator

Mit einem ausgebauten Leichttransporter von VW begann für Gerhard Reisch vor 46 Jahren die Leidenschaft der Wohnmobil-Reise. "Die Unabhängigkeit dieser Art zu reisen fasziniert mich noch immer", erzählt der 71-Jährige. Rund 100 Tage ist er jährlich in seinem Wohnmobil unterwegs, auch dienstlich. Seit mehr als 20 Jahren betreibt er eine Handelsvertretung rund um Caravanprodukte, organisiert außerdem Reisen für Wohnmobilgruppen.

"Eins der kuriosesten Erlebnisse war eine Fahrt von 74 Motorhomes nach Italien. Mit dabei waren auch 33 Hunde. Ich hatte alles gut durchorganisiert, nur eine Sache wusste ich nicht: In Italien mag man keine Hunde. Weder in Cafés noch in öffentlichen Gebäuden oder Verkehrsmitteln. Also musste immer einer der Leute Hundesitter spielen, und wir haben immer extra Busse gebucht, um mit den Hunden irgendwo Ausflüge zu machen."

Doch dieser Fauxpas hat Reisch nicht davon abgehalten, mit dem Organisieren weiter zu machen. Seit mehreren Jahren ist er im Euro Motorhome Club (EMHC) der "Reiseminister", organisiert Treffen und Touren. "Das Highlight aus organisatorischer Sicht war vielleicht unser Pfingsttreffen im vergangenen Jahr in Schweinfurt. Meine Idee, dafür eine Straße in der Innenstadt sperren zu lassen, wurde anfangs belächelt. Aber ich kannte ein paar Stadträte, und auch die Anwohner und Ladenbesitzer konnte ich überzeugen. So wurde die Spitalseestraße über Pfingsten für den EMHC gesperrt, und wir rückten mit mehr als 60 Motorhomes an. Ein wirklich tolles Erlebnis, und auch die Schweinfurter waren begeistert.

Die Katzenbesitzer


Seit 25 Jahren sind Peter und Waltraud Knott auf Achse, 16 Jahre davon in Begleitung eines Stubentigers. "Mäxchen hat von Spanien bis Skandinavien schon ganz Europa gesehen", sagt Waltraud Knott. "Und egal wo wir sind, er findet sein Zuhause auf Rädern immer wieder." Kaum auf einem Parkplatz angekommen, schaue der Kater vorsichtig aus der Tür, schleiche dann erst ein paar Runden um das Wohnmobil und erkundet die Nähere Umgebung. "Irgendwann wagt er sich dann auch weiter weg und streunt auch draußen herum, wenn wir Ausflüge unternehmen und nicht da sind", sagt Peter Knott. "Außerdem ärgert er für sein Leben gern Hunde. Er scheint sich genau auszurechnen, wie weit deren Leine reicht, und tänzelt dann in sicherer Entfernung vor ihnen herum, bis sie wie wild herumkläffen."

Der Tüftler

"Die Wohnmobile von der Stange sind leider nicht immer ganz alltagstauglich", sagt Friedhelm Biell mit Blick auf sein fast vollständig in Eigenregie konstruiertes Fahrzeug. "Groß wie ein Zwölftonner ist es, wiegt aber voll beladen mit Vorräten, Toyota IQ in der Heckgarage und 500 Kilogramm Zuladung nur 7,49 Tonnen", sagt er stolz. "Außerdem ist es das erste Motorhome, in dem überwiegend Kohlefaserverbundwerkstoffe zum Einsatz kommen und dessen Batterien für Aufbau und Fahrgestell in Lithium-Ionen-Technologie konstruiert sind. Die wiegen bei gleicher Leistung wie Bleiakkus nur 90 statt 400 Kilogramm."

Hintergrund der Idee, ein großes Wohnmobil unter 7,5 Tonnen zu konstruieren, ist ein medizinischer: "Für größere Wohnmobile braucht man einen Lkw-Führerschein, und um den zu erhalten, muss man alle fünf Jahre eine ärztliche Untersuchung absolvieren, was faktisch heißt, dass der Arzt bestimmt, wie lange man sein Wohnmobil fahren darf." Der Alte Führerschein Klasse 3 gelte hingegen unbefristet bis 7,5 Tonnen. Das Wittenberger Treffen ist für den Eigenbau eine Art Jungfernfahrt, und "das Interesse ist groß", sagt Biell. "Wir werden ja alle nicht jünger."

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