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Schwerin: Sorge um Zuwachs nach den Feiertagen : Geschenke auf vier Pfoten landen oft im Tierheim

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Zu Weihnachten haben viele die Idee, Tiere zu verschenken. Doch die Tierheime halten dies für problematisch. Denn viele Tiere finden den Weg nach den Feiertagen zurück oder werden ausgesetzt.

Wenn Ilka Dittberner Rufbereitschaft hat, dann ist sie 24 Stunden am Tag im Einsatz für Schwerins Vierbeiner. Herrenlose Hunde sind es zumeist, die in den frühen Morgenstunden beispielsweise am Bahnhof oder angekettet an einen Firmenzaun gefunden werden. Für die Leiterin des Tierheimes bedeutet das: raus aus den Federn, losfahren, das Tier einfangen, in die Unterkunft nach Warnitz bringen und dort erst einmal grob versorgen. Dann gönnt sich Ilka Dittberner noch ein bisschen Schlaf, bevor morgens um halb acht ihr regulärer Dienst im Tierheim beginnt. Mit Putzen, Füttern und viel Telefonieren. "Ja, diesen Hund haben wir hier, den können Sie gerne abholen", sagt sie und fragt sich hinterher kurz, warum sich der Besitzer erst fünf Tage nach dem Auffinden des Tieres meldet. Bei einer verschwundenen Katze, deren Frauchen sich kurze Zeit später meldet, kann sie leider nicht helfen. Nein, kein schwarz-weißer Neuzugang in den vergangenen drei Tagen. "Schwarz-weiß sind sie fast alle."

Mehr als 180 Hunde und knapp 300 Katzen hat das Schweriner Tierheim im vergangenen Jahr aufgenommen und einen großen Teil weiter- oder zurückvermittelt. Aktuell leben in den Käfigen und Gehegen am Kirschenhof 23 Hunde und 91 Katzen. Viele der Samtpfoten stammen aus der Wohnung einer "Tiersammlerin", die im Sommer aufgelöst wurde. Diese Katzen sind zum Teil angeschlagen und nicht besonders schmusig, wie Dittberner verrät. Perfekt wären sie für einen Bauern- oder Pferdehof als Stallkatzen und Mausefänger, meint sie und gibt die Hoffnung noch nicht auf, dass die Miezen doch noch vermittelt werden.

Oftmals kommen Interessenten nach Zeitungsartikeln, so die Erfahrung der Tierheim-Mitarbeiter. Sie würden sich freuen - achten aber darauf, die Vierbeiner nur in liebevolle und kompetente Hände abzugeben. Die Idee, Tiere zu Weihnachten zu verschenken, halten sie zumindest für problematisch. Nur der sollte sich Hund oder Katze zulegen, der auch wirklich weiß, was auf ihn zukommt - Zeit, Geld, viel Freude und manchmal viel Stress. Wenn Bello zu viel bellt, auf den Teppich pullert oder Mimi streunen geht… Vom täglichen Haustierhotelservice ganz zu schweigen. Wer sich allerdings über all das klar ist, der kann sich auch jetzt noch ein Tier aus Warnitz abholen. Geschenkt gibt es die übrigens nicht, schließlich sind sie geimpft, ärztlich untersucht, gut gepflegt und haben sogar einen Namen bekommen. Ein Hund kostet dort durchschnittlich zwischen 100 und 200 Euro, sagt Bernd Völpel. Er ist als zweiter fester Mitarbeiter neben Ilka Dittber ner vor allem für die Hunde zuständig.

Völpel versteht die Reinrassigen und die Mischlinge, die Kleinen und die Großen, die Aufgeregten und die Faulen, die Kläffer und die Kuschler - und er hat sie gern, das merkt man, wenn man ihn über das Gelände schlendern sieht. Herzblut steckt er in jedem Hund, den er holt, entgegennimmt und den er wieder weggibt. Er persönlich liebt am meisten Rottweiler, aber auch Jacko, die ein bisschen furchterregende, aber "eigentlich ganz liebe" amerikanische Bulldogge, hat er besonders ins Herz geschlossen. Vielleicht auch wegen der Geschichte, die sich mit ihr verbindet. Jacko holte Völpel nämlich bei einem Polizeieinsatz aus einer Wohnung.

Ehrenamtliche Helfer gehen mit Hunden spazieren

"Wenn wir gar nicht an ein Tier rankommen, holen wir den Veterinär mit seiner Betäubungspistole", erklärt Ilka Dittberner. Aber meistens kriegen die erfahrenen Pfleger den Kontakt zum Tier. Bernd Völpel spricht die Hunde meist in beruhigendem Ton an "Na, mein Alter, was ist los?", fragt er zum Beispiel. So ähnlich lief es auch bei Jacko. Das Tier ließ sich in den Nebenraum lotsen, die Polizei konnte ins Badezimmer und den Verdächtigen mitnehmen. "Als das Herrchen weg war, hörte Jacko schließlich auf zu bellen, und ich konnte ihn mit dem Hundestrick einfangen", sagt Völpel. Heute ist Jacko auch das Lieblingstier von Astrid Uchnewitz. Die Dame aus Herren Steinfeld gehört zu den Gassigehern, auf die das Tierheim so sehr angewiesen ist - und mit denen Dittberner und Völpel sehr gerne zusammenarbeiten. Fast jeden Tag gegen 10 Uhr kommen sie vorbei, nehmen sich einen Hund - oder mehrere nacheinander - und marschieren los. Wer die zierliche Frau sieht, kann sich kaum vorstellen, dass sie die massigen Dogge wirklich halten kann, die mit ihrer riesigen fleischigen Zunge übermütig über die Menschenhand schleckt. "Doch, das kann sie", sagt Völpel lässig. "Die Frau hat Erfahru ng mit Hunden." Astrid Uchnewitz hatte einen Dalmatiner. Seit er tot ist, kümmert sie sich um die Tierheim-Hunde. "Die brauchen auch Liebe, Zuneigung und Sozialkontakte", sagt sie.

Auch ein Meerschweinchen, Vögel und Kaninchen leben im Tierheim. "Doch da ist der Durchlauf wesentlich schneller als bei den Vierbeinern", sagt Dittberner und weist ausdrücklich darauf hin, dass das Tierheim nur Fundtiere aufnimmt. Fünf Kampfhunde gibt es in Warnitz - schwer vermittelbar, weil sie als gefährliche Waffe gelten und vom Besitzer eine Extra-Genehmigung erfordern.

Manche Hunde haben schwere Bisswunden, als kämen sie aus einem - illegalen - Hundekampf, sagt Dittberner. Jeder hat seine Geschichte, seine Ängste, seine Vorlieben, und die Tierheim-Mitarbeiter geben ihnen Zeit. Auch Weihnachten. Da ist natürlich Putz- und Fütter-Dienst in Warnitz. "Abends bekommen die Hunde dann Schweineohren oder Hundeplätzchen, damit sie auch merken, dass Weihnachten ist", sagt Bernd Völpel. Und selbstverständlich hat auch an den Festtag en einer von den beiden Tierheim-Mitarbeitern 24 Stunden Rufbereitschaft.

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erstellt am 22.Dez.2011 | 12:14 Uhr

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