Karenz : Geplante Biogasanlage auf Prüfstand

Ihren Unmut über den Standort für den Bau einer Biogasanlage in Karenz bekundeten 30 Anlieger. Harald Schulz (2)
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Ihren Unmut über den Standort für den Bau einer Biogasanlage in Karenz bekundeten 30 Anlieger. Harald Schulz (2)

Wechselbäder der Gefühle erlebten 30 Einwohner und Pagung aus Karenz, Gemeindebürgermeister. Pagung beabsichtigt eine Biogasanlage an einem ausgewiesenen Areal für Ein- und Zweifamilienhäuser zu bauen.

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26. November 2010, 10:58 Uhr

Die Fläche liegt zudem im Landschaftsschutzgebiet des 300 Seelen-Dorfes (SVZ berichtete). Pro und Kontra über den Bau solch eines Stromerzeugers wechselten im Verlauf von einer Stunde auch durchaus heftig die Seiten. Eingeladen zu dieser öffentlichen Information hatte Pagung selbst, nach dem er Gegenwind von Einwohnern auf der jüngsten Gemeindevertreterversammlung zu spüren bekommen hatte.

Gemein allen anwesenden Bürgern war die Feststellung, dass sie durchaus den Bau einer Biogasanlage zustimmen könnten, wenn Willfried - und alle Älteren blieben die Stunde lang bei der Du-Form - sich für einen anderen Standort, als die Fläche unmittelbar am ausgewiesenen Baugebiet nah der Bergstraße, entscheiden würde. Doch mit fortdauernder Diskussion drängten solche Bedenken, wie Geruchsbelästigung durch stetigen Westwind, Gülletransporte und Geruch von einer Maissilage bis hin zu verdreckten Straßen in die Mitte.

Zwei Zwischenrufe aus der Runde: "Hier wird expandiert auf Kosten des Dorfes" und "Ich kann auch nicht machen, was ich will, wenn ich es mir nicht leisten kann", zielten auf die Absage Pagungs, einen anderen Standort für seine angedachte Investition zu suchen.

Diese Absage begründete Willfried Pagung mit dem Hinweis, dass eine mündliche Anfrage beim Bauamt und der Unteren Naturschutzbehörde ihn bei seiner Bauabsicht bestärkt hätte. Pagung: "Die Sache muss sich rechnen, sonst brauche ich erst garnicht zu beginnen." Ein anderer Standort bedeute Kosten für das Schaffen von Baurecht, Straßenanbindung und Verluste beim Wärmetransport. Aber der Landwirt gab auch öffentlich kund: "Wenn die Mehrheit der Gemeindevertreter Nein sagt, werde ich die Biogasanlage nicht bauen." Es werde im übrigen ein geschlossenes System gebaut, was zwar Geräusche aber wohl keine Geruchsbelästigung von der Anlage direkt mit sich bringe.

Der Zwiespalt zwischen Pagung und Anlieger blieb. Die nämlich sahen mit Blick auf eine Zukunft mit Biogasanlage den Wert ihrer Immobilien in den Preiskeller sinken. "Dann bauen wir nicht in Karenz", lautete der Entschluss eines jungen Paares. Der Wert von Haus und Hof könne tatsächlich fallen, lautete die Antwort aus dem Hause der Volksbank Osterburg-Lüchow-Dannenberg in Ludwigslust. Das hänge allerdings von vielen Kriterien ab.

Auch die Baugenehmigung für jede einzelne Biogasanlage unterliege grundsätzlich zwei unterschiedlichen Prüfungsverfahren, weiß der Leiter des Bauordnungsamtes im Landratsamt, Andreas Wißuwa. Entscheidend sei die Feuerungswärmeleistung. Tatsächlich gebe es öffentliche Belange, wie beispielsweise die Erhaltung der Gesundheit, die den Bau einer solchen Anlage entgegenstehen können. So haben Lärm und Geruch gesetzlich festgeschriebene Grenzen, informierte der Fachmann auf Anfrage der SVZ. Die gelten aber auch für Gegner einer solchen Anlage.

Allerdings hat auch die Macht einer Gemeindevertretung Grenzen, informierte Wißuwa. Die seien erreicht, wenn Interessen einen höheren Stellenwert erreichen, als das öffentliche Begehren. Alle Zulassungen müssten allerdings der Bauantragssteller vor Baubeginn zahlen. Wie es weitergeht, das könnte die kommende Sitzung der Gemeindevertretung ergeben - im Januar/Februar 2011.

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