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Sternberg : Gepflegter Garten ohne Chemie

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Die jüngsten Eintragungen im Gästebuch von Lütt Acker, dem Umweltprojekt des Sternberger Vereins Dialog + Action, stammen von Touristen: "Viel Arbeit, Menschen mit Visionen".

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erstellt am 30.Jul.2011 | 03:05 Uhr

Die jüngsten Eintragungen im Gästebuch von Lütt Acker, dem Umweltprojekt des Sternberger Vereins Dialog + Action, stammen von Touristen: "Viel Arbeit, Menschen mit Visionen und Ausdauer, und viele grüne Daumen" oder "So viel Liebe zum Detail, so gepflegt. Atemberaubend!" Anerkennung ganz anderer Art findet sich gleich hinter der Eingangspforte auf einem abgeschrägten Baumstamm. Ein Emailleschild bescheinigt dem Verein eine naturnahe Bewirtschaftung und Gestaltung dieser grünen Oase. Die Gartenakademie MV in Marihn vergibt die Plakette nach einem Vorbild aus Nieder österreich.

"Als wir den Antrag stellten, kannten wir die Kriterien für die Ver leihung der Gartenplakette gar nicht genau. Doch wir waren schon davon überzeugt, rundum naturnahe zu arbeiten, wie es gefordert wird", erzählt Klaus Werner, Projektleiter von Lütt Acker, zu dem Rosen-Kräuter-Gärtchen, Schrebergarten, Wildrosenlehrpfad, Kräutergarten, Feuchtbiotop und Rastplatz gehören. Die Vertreter der Gartenakademie schauten bei einer Begehung vor Ort genau hin. Erfreu liches Ergebnis: Lütt Acker erfüllt 19 der 20 Kriterien; schon 15 hätten ausgereicht, um die Plakette zu erhalten. "Das ist gute Werbung für uns, ein Aushängeschild, das Besucher schätzen", freut sich Klaus Werner.

Drei Kernkriterien gibt es, die alle erfüllt sein müssen: keine Pestizide, keine leicht löslichen Mineraldünger, kein Torf zur Bodenaufbereitung. Natürlich sei es einfacher, Schädlinge oder Pflanzenkrankheiten mit chemischen Mitteln zu bekämpfen, doch das komme für die Betreiber eines Umweltprojektes natürlich nicht in Frage, unterstreicht Klaus Werner. Sie würden sich eben mehr Arbeit machen, zum Beispiel befallene Blätter umgehend aufsammeln und entsorgen, bevor sich der Pilz verbreitet. Gartenfreunde wissen, dass die jetzige Feuchtigkeit Pflanzenkrankheiten fördert. "Wir hatten mit Mehltau oder Sternrußtau bislang wenig Ärger. Unsere Rosen sind da sehr widerstandsfähig. Darauf achte ich bei der Bestellung aus dem Katalog", erklärt der Projektleiter, der sich selbst keineswegs als "Rosenprofi" sieht.

Würden Rosen in eine bestimmte Richtung gezüchtet, zum Beispiel stark duftend, leide mitunter die Resistenz. Das sei in den Katalogen vermerkt.

Natürlich könne jemand auch an einer Pflanze aus Discounter oder Baumarkt, deren Eigenschaften meist nicht genau beschrieben seien, lange Freude haben, doch dazu gehöre Glück. Den Rosenstöcken in Lütt Acker komme außerdem zugute, dass sie guten lehmigen Boden und ausreichend Platz haben. Stellenweise sind Gräser eingebunden, die nach Regen schneller abtrocknen.

Stark gepunktet hätten die Sternberger auch mit Wildhecken, die allerlei Getier Unterschlupf bieten, und zwei riesigen Komposthaufen. Einer habe sogar ein Fenster, um den Zersetzungsprozess im Innern beobachten zu können, erwähnt Klaus Werner wie nebenbei. Für ihn komme es auf Vielfalt im Garten an. Er hofft, dass sich dessen Ästhetik so auch im Unterbewusstsein von Kindern, den künftigen Gartenfreunden, festsetzt. Lütt Acker ist häufig Heimstatt von Projekttagen und anderer Veranstaltungen der Kindereinrichtungen.

Das einzige Kriterium, das die Sternberger bei der Auswertung nicht erfüllt haben, ist das Mulchen auf den Beeten. Daran werde sich auch nichts ändern, zeigt sich Werner gelassen. "Rindenmulch zieht Nährstoffe aus dem Boden. Und wir haben die Erfahrung gemacht, dass Unkraut dennoch durchkommt." Der Sternberger hält es mit einem Zitat von Wilhelm Busch, das in der kleinen Schrebergarten-Ausstellung hängt: "Wenn Mutter Natur ein Gärtchen gibt und Rosen, dann gibt sie auch Raupen und Blattläuse, damit ers verlernt, sich über Kleinigkeiten zu entrüsten."

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