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22. September 2017 | 17:27 Uhr

Geologische Tücken im Salzstock

vom

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2010 | 08:54 Uhr

Lenzen | Informationsreich aber nicht ergebnisoffen verlief die Podiumsdiskussion über die Erdgasbohrungen von Lenzen und ihre möglichen Auswirkungen auf ein atomares Endlager im Salzstock Gorleben. Das Fazit am Donnerstagabend kristallisierte sich in Lenzen früh heraus: Gorleben taugt nicht als Endlagerstätte. Eingeladen hatte die Bundestagsfraktion der Linken.

Im Mittelpunkt standen die Erkundungsbohrungen rund um Lenzen in den 60er Jahren der DDR und die Bohrturmexplosion von 1969 ("Prignitzer" vom 20.10., S. 1 und 13). Weder Bohrungen noch Explosion seien Gorlebener Geologen bekannt gewesen, so Dorotheé Menzner, die für die Linken im Gorleben Untersuchungsausschuss sitzt.

Noch verwunderlicher sei, dass die vorhandene sehr gute Aktenlage zu den Bohrungen bislang von der Bundesregierung ignoriert worden sei. Erst eigene Recherchen der Linken hätten teilweise die meist mit einem Geheimvermerk versehenen Unterlagen in die Öffentlichkeit geholt. Für die Linken steht fest: Die Unterlagen sollten geheim bleiben, weil ihre Veröffentlichung die Gorleben-Diskussion erneut entfacht hätte. Zugleich räumt die Partei ein, dass der Konzern Gas de France als Rechtsnachfolger aller DDR-Erdöl und Gasbetriebe einer Einsicht zustimmen muss, da Rohstoffvorkommen zeitlos geschützt seien.

Ob ein mögliches Gasvorkommen tatsächlich den Todesstoß für ein atomares Endlager bedeuten kann, blieb unbeantwortet. Die Kritik des Diplomgeologen Ulrich Schneider zielt in eine andere Richtung: "Scheitelstörungen wie im Salzstock Gorleben lassen kein dauerhaftes Endlager zu", sagte er.

Als Mitglied im geologischen Erkundungsteam von Prof. Klaus Duphorn war Schneider zwischen 1979 und 1982 an Bohrungen in Gorleben aktiv beteiligt und in der Lenzener Diskussionsrunde der einzig vertretene Fachmann. Der Salzstock sei zerklüftet und grundwasserführende Schichten reichen bis hinab auf die Salzschicht. Darin sieht er das Hauptproblem: "Es sind zeitlich sehr junge Wässer nachgewiesen. Das bedeutet, Niederschlag kann relativ schnell bis zum Salzstock durchdringen." Umgekehrt könnte radioaktiv verseuchtes Wasser zurück an die Oberfläche fließen. Mit Kartenmaterial der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe belegte er diese Brüche. "Trifft Wasser auf Salz, laugt es dieses aus", so Schneider weiter. Neue Brüche entstehen, könnten Zugänge zu einer Endlagerstätte schaffen. Das sei im Schacht Asse geschehen. Asse und Gorleben hätten die gleiche Geologie.

Lenzens Bürgermeister Christian Steinkopf (CDU) kritisierte die einseitig geführte Diskussion. Er plädiert für eine "ergebnisoffene Erkundung des Salzstocks in Gorleben". Die Bundesregierung hat die Erkundung am 1. Oktober 2010 wieder aufgenommen.

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