Genauso und anders

Sie sind beide 53, singen beide Lieder zur Gitarre und sind sich wie aus dem Gesicht geschnitten. Willi Freibier, die Stimmungskanone fürs Schunkelfach mit Hosenträgern und Mickimauskrawatte und Gerd Brummund, der Schwiegermuttertyp im Jacket mit weißem Hemd sind – die Fangemeinde weiß es längst – ein und dieselbe Person. Doch weil das Doppelleben nicht mehr richtig funktioniert, macht Gerd Brummund jetzt solo weiter. Jedenfalls fast. Motto: „Genauso und anders“. Und so heißt auch seine neue Platte.

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30. Mai 2008, 06:16 Uhr

Neubrandenburg - „Ich verdanke meinem Künstlernamen Willi Freibier viel, das Problem ist nur, dass mir diese Schublade schon lange zu eng geworden ist“, sagt der 53-Jährige Brummund, der mit seinen bisher neun CD-Veröffentlichungen in Eigenregie einer der produktivsten Unterhaltungskünstler des Landes ist.

Am Sonntagfrüh zwischen 6 und 9 Uhr im Radio
Mit Titeln wie „Paddelboot“, „Kotelett“ oder „Klaus schmeiß’n Grill an“ wurde Brummund als Willi Freibier in den 90er-Jahren weit über die Grenzen von Mecklenburg-Vorpommern bekannt.
Auf der neuen CD des Sängers und Komponisten aus Woggersin bei Neubrandenburg erinnert allerdings nur noch ein Lied an die Stimmungskanone Willi. Dafür erklingt „Trecker fahrn“ gleich zweimal auf dem neuen Album – auf Hochdeutsch und auf Platt.

Brummund witzelt, dass „markttechnische Erwägungen“ dabei eine Rolle gespielt hätten. „Es ist das einzige Lied, das am Sonntagmorgen zwischen 6 und 9 Uhr im Radio gespielt wird.“
Die Zeiten, in denen Willi Freibier die „Volkstümliche Hitparade“ auf NDR1 gestürmt und über Wochen Platz Eins besetzt hat, sind leider schon lange vorbei. Die Sendung wurde irgendwann abgeschafft. „Schließlich bestimmen die Gebührenzahler das Musikprogramm“, meint er.

Von großen und kleinen Katastrophen
Zur CD-Präsentation ins Neubrandenburger Programmkino „Latücht“ sind fast 100 Gäste gekommen. Der Saal ist brechend voll. Es wird viel gelacht. Denn witzig sind Brummunds Liedtexte allemal. Sogar witziger als die derben Pointen von Willi Freibier. „Rote Rosen“, „Im Guten getrennt“, „Warten“, „50 Jahre“: Es geht um die kleinen und großen Katastrophen im Leben, die man einfach mit Humor nehmen sollte, damit sie einen nicht zur Verzweiflung treiben. Die stürmische Urlaubsliebe etwa, die sich bei einem spontanen Besuch nicht als unsterblich, sondern als gestorben erweist. Frauen, die ihre wartenden Männer vergessen, weil sie im Einkaufsrausch mal wieder jedes Zeitgefühl verloren haben. Oder der herannahende 50. Geburtstag, der einem klar macht, dass der Lebenszenit jetzt wohl überschritten ist.

„Ich habe einen großen Freundeskreis. Der liefert mir jede Menge Stoff für meine Lieder“, erzählt der gebürtige Penzliner, der die musikalische Bühne bereits im Alter von 13 Jahren betrat – als Sänger im Pionierchor seiner Heimatstadt.

Umgekehrt erweisen sich Brummunds Lieder manchmal für andere als Lebenshilfe: „Ein befreundeter Anwalt spielt seinen Scheidungs-Mandanten gern mein Trennungs-Lied vor, wenn er ihnen klarmachen will, dass man trotz aller Verletzungen nicht die Achtung voreinander verlieren darf.“

Schampus und Erdbeerbowle statt Freibier
Das musikalische Spektrum ist breiter geworden. Die neuen Lieder klingen jetzt eher nach Schampus, Erdbeerbowle und trockenem Rotwein als nach Freibier: Sogar südamerikanische Rhythmen und Swing sind auf der neuen Platte zu hören, dazu der Renft-Klassiker „Liebeslied“ in neuem Gewand. Als Gast hat „Cäsar“, der damalige Gitarrist der legendären Band, den Gitarrenpart eingespielt.

Ist Willi Freibier denn nun völlig gestorben? „Nein, in Mecklenburg-Vorpommern, wo mich viele Leute unter diesem Namen kennen, macht er weiter“. Aber außerhalb des Landes – und dort bestreitet der Sänger und Komponist inzwischen viele seiner rund 120 Auftritte im Jahr – wird der Doppelgänger definitiv begraben.

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