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Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft in Rostock : Gemeinsam Strategien gegen Ärztemangel

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Polen und Deutsche wollen bei der Gesundheitsversorgung kooperieren. Das teilten Sellering und Robak, Abteilungsleiter für Wirtschaft und Investitionen der Botschaft Polens, gestern mit.

svz.de von
erstellt am 28.Jun.2011 | 10:40 Uhr

Polen und Deutsche wollen bei der Gesundheitsversorgung stärker kooperieren. Das teilten Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Jacek Robak, Abteilungsleiter für Wirtschaft und Investitionen der Botschaft Polens, gestern bei der Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft in Rostock mit. Ziel sei es, den Fachkräftemangel in beiden Ländern nicht zu verschärfen, sondern sich gegenseitig zu unterstützen.

Gerade in Grenznähe sei es nicht sinnvoll, wenn beide Länder spezialisierte Zentren etwa für Kardiologie vorhalten würden, meinte Robak. Besser wäre es, wenn Fachärzte zu bestimmten Zeiten in beiden Ländern arbeiten könnten. Deutsche und polnische Patienten könnten sich dann an einem zentralen Standort von Spezialisten behandeln lassen.

Die Zeiten, in denen polnische Ärzte scharenweise nach Großbritannien oder Skandinavien auswanderten, seien zwar vorbei, sagte Robak. "Die materielle Situation der Mediziner in Polen hat sich deutlich verbessert." Auf Knie- oder Hüftoperationen müssten Patienten allerdings bis zu fünf Jahre warten. So würden sich derzeit rund vier Prozent der polnischen Patienten in Deutschland behandeln lassen.

"Wir möchten kooperieren und nicht konkurrieren", betonte Kongresspräsident Professor Horst Klinkmann. In der Grenzregion müsse bei der Gesundheitsversorgung nicht alles doppelt vorhanden sein, meinte auch Sellering. In der Gesundheitswirtschaft - etwa bei der Medizintechnik - gebe es dagegen durchaus einen "guten Schuss" Konkurrenz.

Für eine bessere Kooperation zwischen Polen und Deutschland müssten allerdings auch noch "formale Probleme" bei den Krankenkassen behoben werden, sagte Sellering. Generell gebe es bei den Kassen einen Reformbedarf. Die rasend schnelle Entwicklung in der Medizinforschung bringe Innovationen und kostspielige Therapien mit sich. Da könne es nicht sein, dass eine Kasse eine bestimmte Behandlung übernehme und die andere nicht. "Wenn die Kassenleistungen so ungeordnet sind, dann ist das schädlich für die Akzeptanz des Gesundheitswesens", sagte Sellering. Er wolle dieses Problem auch mit Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) besprechen, der heute bei der zweitägigen Branchenkonferenz zu Gast ist.

In Mecklenburg-Vorpommern habe sich die Gesundheitswirtschaft zu einem Schlüsselbereich entwickelt so Sellering weiter. Demnach wurden im Jahr 2009 rund 3,8 Milliarden Euro umgesetzt. Rund 100 000 Menschen seien direkt oder indirekt in der Gesundheitswirtschaft beschäftigt. In den Krisenjahren 2009 und 2010 habe es in der Branche 3000 neue Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt gegeben, ergänzte Klinkmann. Die Gesundheitswirtschaft gebe dem Land die Gelegenheit, seine Exportzahlen zu verbessern. Dies müsse künftig noch stärker genutzt werden, forderte der Mediziner.

Gemeinsam mit Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) zeichnete Sellering am Abend die Gewinner des Ideenwettbewerbs Gesundheitswirtschaft 2011 aus. Zu den geförderten Projektideen zählen unter anderem die Nutzung ortsgebundener Heilmittel wie die Rügener Kreide, individualisierte Pauschalreiseangebote besonders für Großeltern mit Enkeln, gesundheitstouristische Aktivangebote und spezielle Dienstleistungen für weit verbreitete Erkrankungen wie Diabetes. Zu den Gewinnern gehört auch das erste norddeutsche CyberKnife Zentrum für Krebstherapie und -prävention in Güstrow.

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