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26. September 2017 | 18:24 Uhr

Gemeinsam gegen die Katzenplage

vom

svz.de von
erstellt am 09.Jun.2010 | 06:12 Uhr

Sternberg | Eine wachsende Kolonie wilder Hauskatzen erregt in der Sternberger Seestraße die Gemüter. "Dankbar rekeln sie sich in der Sonne. Ein Bild des Friedens, aber nur scheinbar", beschreibt Tierfreundin Antje Cieslak die Situation der Katzen. "Schaut man genauer hin: Ihr Fell ist struppig, mager die kleinen Körper, die Augen entzündet. Sie haben schweren Schnupfen und aufgetriebene Bäuche von den vielen Würmern. Hoffnungslosigkeit im Blick, auch Furcht. Immer hungrig, ernähren sie sich von Abfällen und Brocken, die manch mitfühlender Mensch ihnen hinwirft. Der Durchfall schwächt sie."

Seit Dezember versucht die aus Sternberg stammende und in Mustin lebende Frau mit Unterstützung des Tierschutzvereins Güstrow das Katzenelend in der Seestraße einzudämmen. Alle zwei Tage bringt sie den Katzen in der Seestraße artgerechtes Futter aus Dosen und als Trockennahrung.

Doch Anwohner stellen den Katzen auch Futter hin, das ihnen überhaupt nicht bekommt - Essensreste wie beispielsweise Nudelsuppe oder auch Kuhmilch. Die verursache bei Katzen Durchfall, sagt Antje Cieslak. Sie klopfte an den Haustüren, um Nachbarn darüber aufzuklären, dass sie mit ihrer Art der Fütterung die Katzen krank machen. Doch niemand wolle es gewesen sein.

Auch von einigen ihrer Mieter werden die Katzen gefüttert, aber gesundheitlich nicht betreut, ist sich Regina Nienkarn, Geschäftsführerin der Sternberger Wohnungsbaugesellschaft (Stewo), bewusst. Sie und Hausmeister Horst Heusch trafen sich gestern mit Antje Cieslak. Die Stewo wird einen etwas abseits der Häuser gelegenen Ort in einem Gebüsch neben Garagen als Futterplatz für die Katzen herrichten. "Die Katzen hinterlassen sehr viel Dreck", sagt Nienkarn. Unangenehm für jeden, wenn der Kot an den Schuhen klebt und dann in die Wohnung oder ins Auto getragen wird.

Um zu verhindern, dass die Kolonie in der Seestraße noch größer wird, müssen zunächst die Katzen und dann die Kater kastriert werden, sagt Antje Cieslak. Die Tierschützer haben dafür Mengenrabatte ausgehandelt. Trotzdem kostet der operative Eingriff beim Tierarzt noch einmal 25 Euro pro Kater und 50 Euro pro Katze.

Ein besonders krankes Tier hatte Antje Cislak für insgesamt 300 Euro auf eigene Kosten behandeln lassen. Der Tierschutzverein Güstrow bezahlte die Kastration für eine weitere Katze. Derzeit werden Geldgeber gesucht, die auch die Behandlung der anderen Sternberger Katzen übernehmen.

Denn zu befürchten ist, dass sich die Katzengroßfamilie immer mehr ausbreitet. 20 Tiere hatte Antje Cieslak im Dezember gezählt. Neun davon haben den strengen Winter überlebt. Doch mittlerweile haben die wieder Junge, die noch irgendwo versteckt sind. Wenn alle überleben, gibt es diesen Sommer rund 30 halbwilde Katzen in der Seestraße. Die Jungen sind schon nach einem halben Jahr geschlechtsreif, erklärt Antje Ciesalak, und könnten neuen Nachwuchs in die Welt setzten. Deshalb müsse jetzt dringend gehandelt werden.

Durch den Zyklus der Vermehrung sei das Problem mittlerweile massiv geworden, so Regina Nienkarn. Horst Heusch berichtet auch von Problemen mit Katzenkolonien anderenorts in Sternberg - so in der Lütjenburger Straße und auf dem Campingplatz.

"In Sternberg gibt es wie leider überall heimatlose Katzen", so Antje Cieslak. "Meist leben sie in Gruppen und führen ein armseliges Dasein. Ursprünglich waren es zahme Hauskatzen, die durch irgendein unglückliches Schicksal ihr Heim verloren haben." Sie kennt auch die Geschichte einer der Katzen aus der Seestraße. Deren Besitzerin, eine ältere Dame, war verstorben und ihre Nachkommen wollten das Tier nicht haben.

Diese Katzen vermehren sich ohne Eingriff unkontrolliert. "Sie sind verelendet, sind lästig, weil sie ihre Notdurft in allen sandigen Ecken verrichten", so die Tierfreundin: "Und nicht zuletzt können sie Krankheiten auf andere Tiere oder auch Menschen übertragen, u.a. Würmer, Krätze, Flöhe und Infektionskrankheiten."

Antje Cieslak ist auf der Suche nach tierlieben Sternbergern, die sich mit darum kümmern, das Katzenelend zu beenden. Sie will mithelfen, einen Tierschutzverein in Sternberg aufzubauen. Der bekäme Unterstützung vom Güstrower Verein, sagt sie. Interessenten können sich bei ihr unter Telefon 0175-6931730 melden.

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