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Zernin: Nach Operation muss Ursula Köpke leiden : Gemeinsam auch in schweren Tagen

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Auf ein Leben voller Schmerzen und Entbehrungen, aber auch Liebe blickt die Zerninerin Ursula Köpke zurück. Vorgestern wurde sie 62 Jahre alt. Zwei Drittel dieser Zeit kämpfte sie gegen die Krankheiten.

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erstellt am 11.Mär.2011 | 11:13 Uhr

Auf ein Leben voller Schmerzen und Entbehrungen, aber auch Liebe blickt die Zerninerin Ursula Köpke zurück. Vorgestern wurde die schwer kranke Frau 62 Jahre alt. Zwei Drittel dieser Zeit kämpfte sie gegen die Krankheiten, die sich nach einer misslungenen Gallen operation einstellten und die ihr von Jahr zu Jahr das Leben immer mehr zur Hölle machten.

"Trotzdem erträgt sie alles mit großer Geduld. Gäbe es eine Medaille für Überlebenskampf, hätte diese Frau sie verdient", sagt Gerlinde Burmeister (64), die in der Nachbarschaft wohnt.

Verdient aber hätte eine Medaille auch Rudi Köpke (64), mit dem Ursula seit 43 Jahren verheiratet ist und der sie seit vielen Jahren hingebungsvoll pflegt. Einfach ergreifend ist, mit welcher Selbstverständlichkeit der Ruheständler, der sich inzwischen selbst mit so mancher Krankheit herum plagt, für seine Uschi sorgt.

Immer mehr Organe versagten ihren Dienst

Daran, aufzugeben, fällt ihm nicht im Traum ein, auch wenn es nicht einfach ist. Kochen, waschen, putzen und seine Frau zu pflegen, alles das füllt schon seit Ewigkeiten sein Leben aus. Klaglos tut der Mann, was getan werden muss.

"Ich mach jeden Tag zwei Waschmaschinen, denn meine Frau braucht ja täglich frische Wäsche und das Bett muss täglich neu bezogen werden. Und abends stehe ich und bügele die Binden für sie", schildert er seinen Alltag.

Muss doch Ursula Köpke wegen der vielen offenen Stellen an ihrem geschundenen Körper täglich überall neu verbunden werden.

Aus dem Haus traue er sich nur kurz, wenn die Schwester von der Diakonie-Sozialstation da ist und seine Frau versorgt, sagt er. "Dann weiß ich, dass jemand da ist, der sich um sie kümmert", meint der 64-Jährige, dem der einstige Eheschwur "In guten wie in schlechten Tagen" vor dem Altar ins Herz gemeißelt scheint.

Begonnen hat der Leidensweg seiner Frau schon vor 41 Jahren, als sie mit erst 21 Jahren wegen Steinen an der Galle operiert wurde. "Dabei wurde versehentlich der Gallengang durchtrennt", erzählt Rudi Köpke.

Damit nahm das Schicksal seinen Lauf. Als Folge der misslungenen Operation konnte die Leber ihrer Aufgabe als Entgiftungsorgan nicht mehr gerecht werden, und bei Ursula Köpke versagten nach und nach immer mehr körperliche Funktionen. Die Nieren und die Haut gingen kaputt, das Herz wurde stark geschädigt, Rheuma und Gicht stellten sich ein und vieles mehr. Da half es auch nichts, dass die Familie nach einer Klage vor dem Gericht Recht und eine bescheidene Entschädigung bekam. Das Leben von Ursula Köpke und ihrer Familie war nie mehr wie vorher.

"Ich hatte inzwischen acht Folge-Operationen, zuletzt hat man mir ein Stück aus dem Dünndarm als Gallengang eingesetzt", sagt die kranke Frau, der das Sprechen alle Kraft abverlangt und die sich dennoch nicht gehen lässt. Sie trägt ihr schweres Schicksal tapfer und ist allen von Herzen dankbar für ihre Hilfe und Geduld, sagt sie. Allen voran natürlich ihrem Mann Rudi.

Eine Lebertransplantation komme für sie nicht mehr in Frage, weil alle anderen Organe durch die schleichende Vergiftung des Körpers so geschädigt seien, dass sie dies nicht mehr mitmachen würden, erzählt Ursula Köpke. Mittlerweile habe bei ihr die Leberzir rhose eingesetzt, und sie halte es nur noch mit Opiaten als sehr starken Schmerzmitteln aus.

Das Bett kann Ursula Köpke schon lange nicht mehr aus eigener Kraft verlassen. Wenn er kann, setzt ihr Mann Rudi sie mit seinen starken Armen und dem eigenen kaputten Rücken in den Rollstuhl und im Sommer schiebt er seine Frau damit auch mal für ein kleines Weilchen auf die Terrasse. "Lange kann sie aber nicht sitzen", erzählt er.

"Trotz aller Schmerzen hat Uschi nie gestöhnt. Sie ist so tapfer", meint Gerlinde Burmeister, die ein paar Häuser weiter wohnt und die öfter bei ihrer Freundin vorbeischaut.

Trägt ihre Krankheit tapfer

Bei der Volkssolidarität, der beide noch immer angehören, habe man früher, als es um Ursulas Gesundheit noch besser stand, schöne Zeiten erlebt, erinnert sich Gerlinde Burmeister. Sie sei beeindruckt davon, sagt sie, mit welcher Tapferkeit Ursula ihre Krankheit trägt. Das könne nicht jeder.

"Wir schrauben oft die Latte unserer Ansprüche im Leben so hoch. Dabei ist doch das Wichtigste, dass es einem gesundheitlich gut geht", das sollte man sich ruhig hin und wieder mal vor Augen halten, meint Gerlinde Burmeister.

Auch Rudi Köpke kann dies nur bekräftigen. Er und seine Frau suchen die Kraft auch im christlichen Glauben. Als Küster in der evangelischen Kirche kümmert sich der 64-Jährige darum, dass in der Kirche im Dorf immer alles in Ordnung ist. In der Zwiesprache mit dem Herrn bitten beide oft um Kraft, ihr Schicksal weiter tragen zu können.

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