Gemeinden kämpfen gegen den Wegzug

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23. Juli 2010, 05:56 Uhr

Prignitz | Mehr Zu- als Wegzug in Wittenberge - das ist die gute Nachricht aus der Elbestadt, die seit 1990 mit die meisten Einwohner verloren hat. Allein 159 Personen zogen aus dem Landkreis in die Stadt und nur 95 aus ihr heraus. Deutliches Zeichen dafür, dass Prignitzer Dörfer Einwohner verlieren. Rückgänge von bis zu 50 Prozent seien vorstellbar, beispielsweise in der Gemeinde Groß Pankow (Prignitz): Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, könnte zum Beispiel Tackens Einwohnerzahl von 112 auf 51, Gulows von 110 auf 56 oder Baeks von 251 auf 117 zurück gehen, prognostizieren Wissenschaftler.

Die Zahlen und die Voraussagen für das Amt Bad Wilsnack-Weisen sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache. Mit Stand 28. Februar 2010 zählt die Kommune 6460 Einwohner, verlor also allein seit 30. November vorigen Jahres 74 Einwohner und seit dem Jahr 2000 insgesamt 882 Einwohner. Prognosen des brandenburgischen Infrastrukuturministeriums gehen davon aus, dass die Einwohnerzahl im Amt bis 2030 knapp unter die 5000er-Marke rutscht. Zudem wird sich das Altersgefüge stark in Richtung der über 65-Jährigen verschieben. Zum Vergleich: 1993 lebten im Amt noch 6954 Menschen.

Dabei könne die Region nicht nur mit herrlicher Landschaft und guter Verkehrsanbindung punkten, auch mit modernen Einrichtungen. "Da wären beispielsweise unsere beiden Grundschulen in Breese und Bad Wilsnack zu nennen, aber auch die Kindertagesstätten, die touristische Infrastruktur und nicht zuletzt die Therme in Bad Wilsnack", zählt Jutta Dierke, stellvertretende Amtsdirektorin, auf.

Zuzüge, so Dierke, gebe es in den Elbdörfern, allerdings seien das zumeist Zweitwohnsitze. Bad Wilsnack zählt Jutta Dierke zu den nach wie vor begehrten Städten. "Wir haben immer wieder Nachfragen von Wohnungssuchenden, kaum Leerstand", verdeutlicht sie die Situation in der Kurstadt.

Entspannter sei die Situation im Amt Lenzen-Elbtalaue. "Leerstand in den Dörfern haben wir kaum zu verzeichnen", sagte Amtsdirektor Axel Wilser. Überhaupt will er weg von dieser Negativdiskussion. Wilsers These lautet: "Der Bevölkerungsrückgang hat auch seine Chancen." Die Prignitz sei gesegnet mit Natur und einer mittlerweile sehr guten Infrastruktur, "die unseren Raum attraktiv macht", so Wilser. Der Amtsdirektor erachtet es keinesfalls als ausgeschlossen, dass der Run auf Städte abbricht, die Menschen sich Naturoasen wie der Prignitz hinwenden. Der Arbeitsplatz werde zunehehmend unahängiger von der Arbeitsstelle, somit werden weniger Menschen aus wirtschaftlichen Gründen an Städte gebunden sein.

Laut Statistik verliert das Amt Lenzen in Tat nur leicht. Zwischen 2007 und November 2009 sanken die Einwohnerzahlen von Cumlosen von 866 auf 835, für Lanz von 855 auf 843 und in der Lenzerwische von 523 auf 517. Nenneswerte Verluste gibt es nur in der Stadt Lenzen: Statt 2519 leben hier noch 2398 Menschen.

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