Pilotprojekt "Gewalt, nicht mit mir!" in Güstrow : Gelernt, Konflikte gewaltfrei zu lösen

Mit der Vorführung des Projektfilms fand das von Familientherapeutin Martina Kämmerer in Güstrow initiierte Projekt 'Gewalt, nicht mit mir!' gestern Abend seinen offiziellen Abschluss. Jens Griesbach
Mit der Vorführung des Projektfilms fand das von Familientherapeutin Martina Kämmerer in Güstrow initiierte Projekt "Gewalt, nicht mit mir!" gestern Abend seinen offiziellen Abschluss. Jens Griesbach

Das Projekt "Gewalt, nicht mit mir!" ist ein in dieser Form bisher einzigartiges Vorhaben in der Region: Konkrete Gruppentherapie-Angebote für Kinder, die Opfer von Gewalt geworden sind.

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19. Mai 2011, 09:02 Uhr

Güstrow | Martina Kämmerer ist stolz auf ihre Jungs. "Sie haben sich geöffnet, viel getraut und Grenzerfahrungen gemacht", sagt die Güstrower Familien- und Ergotherapeutin. Ihre Jungs, dass sind fünf Acht- bis Zwölfjährige, mit denen Martina Kämmerer vergangenes Jahr fünf Monate lang in dem Projekt "Gewalt, nicht mit mir!" zusammengearbeitet hat - ein in dieser Form bisher einzigartiges Vorhaben in der Region. Konkrete Gruppentherapie-Angebote für Kinder, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind oder andere Gewalterfahrungen gemacht haben, fehlen bisher weitestgehend, obwohl der Bedarf groß ist und weiter zunimmt. Mit der Vorführung des während der fünf Monate entstandenen Projektfilms fand das Pilotprojekt im Landkreis Güstrow gestern Abend seinen offiziellen Abschluss.

Die Arbeit mit Kindern, die Gewalt erlebt haben, liegt Martina Kämmerer am Herzen. Seit Jahren engagiert sie sich in diesem Bereich, auch im Güstrower Frauenschutzhaus, in dem auch die Projektteilnehmer Schutz gesucht haben. Gemeinsam mit dem Güstrower Verein Arche, Träger des Frauenschutzhauses, hatte Martina Kämmerer das Projekt in Güstrow initiiert. "Ich freue mich mit den Kindern, dass alles so gut geklappt hat und würde gerne ein neues Projekt anbieten", sagt sie.

Doch die jetzt positive Bilanz ließ sich nicht von Anfang an absehen. "Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass wir das Thema mit einem Kompetenztraining sozialer Fertigkeiten verbinden müssen", erzählt Martina Kämmerer. Zunächst mussten die Kinder lernen zuzuhören, den anderen ausreden zu lassen und ihre Meinung zu sagen, ohne ihr Gegenüber verbal zu verletzen. "Das mussten wir üben." Durch Rollenspiele, Gesprächsrunden und einen Ausflug in den Kletterwald lernten die Kinder, sich an Regeln zu halten, sich in die Rolle des Unterlegenen hineinzufühlen und schließlich, Konflikte anders als mit Gewalt zu lösen. "Die Kinder hatten bisher gelernt, dass man mit Gewalt gewisse Dinge erreichen kann. Das mussten sie wieder verlernen und durch eine gewaltfreie Kommunikation ersetzen", erklärt Martina Kämmerer. Wichtig sei ihre bei diesem Prozess zudem gewesen, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken. "Und das hat geklappt."

Und zwar so gut, dass es ein Folgeprojekt in Güstrow geben soll, jedoch in anderer Form. Aufbauend auf den gemachten Erfahrungen will Martina Kämmerer eine Kompakt-Therapie, eine zehntägige "Campzeit" mit Vor- und Nachbearbeitung, anbieten. Hier sollen getrennt für Mädchen und Jungen, die Gewalterfahrungen gemacht haben, soziale Fertigkeiten im Vordergrund stehen. Motto: "Entdecke deine Potenziale und nutze sie!" Das Projekt ist beantragt, eine Förderung steht aber noch aus.

Auch ein Kinderkompetenztraining und ein Training für Eltern mit verhaltensoriginellen Kindern hat Martina Kämmerer mit ihrer Kollegin Ute Kasperowski entwickelt. Da die Zahl verhaltensauffälliger Kinder steige, sei die Nachfrage hier groß. "Diese Angebote sollen über das Jugendamt Güstrow laufen. Wir hoffen, dass das Amt sie in die Jugendhilfeplanung aufnimmt", sagt Martina Kämmerer.

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