Gegensätze im Gesundheitsland

svz.de von
13. November 2009, 05:51 Uhr

Schwerin | Der Weg von Mecklenburg-Vorpommern zum Gesundheitsland Nr. 1 ist steinig. Im Bereich der Krankenhäuser sorgen derzeit zwei Kosten-Superlative für Diskussionstoff. Im vergangenen Jahr - so meldet das Statistische Bundesamt - stiegen die Krankenhaus-Kosten im Land überdurchschnittlich an. Sie kletterten um 8,4 Prozent auf 1,5 Millarden Euro. Im Bundesdurchschnitt lag die Teuerung nur bei 5 Prozent.

Was sich auf den ersten Blick als Folge von Bevölkerungs- und Sozialstruktur darstellt, liegt nach Auskunft der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (KGMV) an einer Veränderung der Berechnungsgrundlage. 2008 stieg die Zahl der Patientenbetten um knapp 240. In Leezen bei Schwerin und Schwan bei Rostock wechselten Rehakliniken mit 180 beziehungsweise 50 Betten ins Lager der Akutkrankenhäuser, wie Wolfgang Gagzow, Geschäftsführer der KGMV, vorrechnet. Einschließlich einer kleinen Einrichtung mit acht Betten in Greifswald stieg die Zahl der Akutkrankenhäuser somit auf 38 mit rund 10 000 Betten. "Das erklärt den Anstieg", sagt er.

Weit mehr als der Anstieg der Kosten beschäftigt die Krankenhäuser und ihren Dachverband, die sich gestern zur Jahrestagung in Rostock trafen, das Niveau der Kosten. "Wir liegen bundesweit am Tabellenende", sagt Wolfgang Gagzow und vergleicht die so genannten Fallkostenpauschale, die Auskunft gibt, wie viel die Krankenkassen pro Krankenhaus-Fall zahlen. Der Bundesdurchschnitt für 2010 wurde auf 2936 Euro festgelegt. Der Wert in MV liegt derzeit bei 2740 Euro, er musste - Finale im Kostenkampf von Krankenhausgesellschaft und Kassen - per Schieds entscheid ermittelt werden.

Angesichts dieser Billigpreis-Politik warnt Gagzow vor einem Preiswettbewerb zwischen Krankenhäusern, wie von der schwarz-gelben Bundesregierung angeregt. "Gegen einen Wettbewerb um Qualität ist nicht einzuwenden, aber ein Preiswettbewerb und die Haltung ,Geiz ist geil führen zur Holzprothese."

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