Gegen stinkenden Hähnchenkot

Massive Geruchsbelästigung, Wertverfall der Grundstücke, Imageverlust der Region – Kuppentiner haben sich zu einer Bürger-initiative zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen den geplanten Ausbau der Hähnchenmastanlage in ihrer Gemeinde zu kämpfen.

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10. Oktober 2008, 04:56 Uhr

Kuppentin - „Wenn der Wind aus Westen kommt“, sagt Paul Beck, „dann habe er den Gestank pur auf dem Tisch“, da könne er nicht einmal das Fenster aufmachen, weder nachts noch tagsüber. Der Kuppentiner wohnt 150 Meter von der Hähnchenmast-Anlage in seiner Gemeinde entfernt und stört sich an dem Geruch von Hähnchenkot. Er und viele andere Bewohner fürchten nun, dass mit dem geplanten Ausbau der Anlage von 70000 um 150 Prozent auf 170000 Tiere die Geruchsbelästigung noch schlimmer wird.

Damit dieser Fall nicht eintritt, haben sich sieben Kuppentiner zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen, treffen sich einmal pro Woche und sammeln Unterschriften gegen das Vorhaben. „Alle betroffenen Anwohner haben bereits unterschrieben“, weiß Paul Beck. Hinzukommen 150 weitere Unterschriften von Menschen, die nicht in der Gemeinde leben.

Bürger fürchten gesundheitliche Schäden
Es gehe nicht nur um den penetranten Geruch, es gehe auch um gesundheitliche Schäden. Kleine Partikel nämlich, so genannte Bioaerosole, werden bei großen Tierhaltungbetrieben freigesetzt und können Atemwegserkrankungen wie Asthma und Allergien hervorrufen, weiß Heinrich Rann. Er denke dabei nicht nur an sich, sondern an die Kinder in der Umgebung. „Es kann doch nicht sein, dass einer auf Kosten der Gesundheit der Anwohner seinen Profit macht.“

Gabriele von Fuchs wirft ein, dass Krankheiten auch von Mardern, Füchsen und herumstreunenden Hunden übertragen werden könnten. Die machen sich nämlich über den Hähnchenkot und die Fleischreste her, die auf die Felder um Kuppentin gefahren werden. „Touristen locken wir mit Kotgeruch zumindest nicht an“, gibt sie zu Bedenken. Ein halbes Jahr vor Eröffnung der BUGA in Schwerin mit Lübz und Passow als Außenstandorte sei das keine besonders attraktive Aussicht.

Seit vier Jahren lebe sie in Zahren, seitdem seien die landwirtschaftlichen Betriebe in der Umgebung gewachsen, die Biogasanlagen sprießen wie Pilze aus dem Boden und die Gülleberge seien immer größer geworden. Eingenebelt fühle sie sich von dem Gestank. Auch der Verkehr an Traktoren und landwirtschaftlichen Fahrzeugen habe auf den schmalen Landstraßen extrem zugenommen. Paul Beck, der direkt an einer wohnt, weiß davon ein Lied zu singen: „Die Wände wackeln, die Fliesen sind gerissen.“

Jetzt befürchten sie einen Werteverfall ihrer Grundstücke und Häuser. „Es ist bewiesen, dass Häuser in unmittelbarer Nähe einer Tiermastanlage Wertverluste bis zu 70 Prozent haben und praktisch unverkäuflich sind“, weiß Gabriele von Fuchs. Menschen, die ihr Haus als Altersvorsorge betrachtet haben, seien betrogen.

Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht
Die gesammelten Unterschriften wollen die besorgten Bürger bei der genehmigenden Behörde, dem Staun (Staatliches Amt für Umwelt und Naturschutz), abgegeben. Sie hoffen auf eine Ablehnung des Bauvorhabens. „Auch das Argument Arbeitsplatz zieht nicht mehr“, so Gabriele von Fuchs. Sie wisse von einer Mastanlage für Schweine, da seien nur drei Leute beschäftigt. „Wenn der Ausbau einmal genehmigt ist“, mahnt sie, „ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Dann haben wir hier bald nicht nur 170 000 Hähnchen, sondern 250 000.“

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